Paul Halbe

Schatten, die nichts 

Gutes ahnen ließen

Analyse von Halbstar­ken­filmen der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts

Weder die 68er noch die RAF noch der rechts­ra­dikale Unter­grund sind als Subkultur über Nacht Gegenwart geworden. Was jedoch jede Vorstel­lungs­kraft der damaligen, das Zeitge­schehen beobach­tenden und analy­sie­renden Wissen­schaftler und der das Zeitge­schehen prägenden Protago­nisten bei weitem übertroffen hätte, das ist die im Zuge von Globa­li­sierung und Digita­li­sierung möglich gewordene Subkultur des Terro­rismus unserer Zeit.

Im letzten Weltkrieg kam man in Amerika auf die Idee, die deutsche Propa­ganda nicht als Propa­ganda abzutun, sondern als Infor­ma­ti­ons­quelle zu nutzen. Entwi­ckelt wurde die Content Analysis. Außerdem beschäf­tigte man sich mit der jugend­lichen Subkultur, die sich landesweit in den Staaten ausge­breitet hatte und die teilweise zum Polizei­problem geworden war. Die Gruppen­dy­namik in den Jugend­banden wurde analy­siert, um mit Sozial­arbeit entgegen wirken zu können.

Heute schafft die Digita­li­sierung unserer Welt und die Selbst­ent­blößung vieler Menschen in den sozialen Medien alle Voraus­set­zungen, um nicht nur Unter­nehmen im Weltmaßstab aufgrund von Daten­sammlung und Daten­analyse globalen Geschäfts­erfolg zu ermög­lichen, sondern es können Menschen in ihrem gesamten Verhalten manipu­liert werden. So wird Macht im Staate erobert und gesichert. Die Demokratien geraten auf schwache Füße.

Daher war es für mich inter­essant, meine Diplom­arbeit aus dem Jahr 1961 heraus­zu­suchen, nachdem ich im Fernsehen den Film „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ nach Jahrzehnten wieder gesehen hatte. In meiner Arbeit habe ich den James Dean-Film einer Detail­analyse unter­zogen, einge­bettet in eine Unter­su­chung des deutschen Filmver­lei­h­an­ge­botes der 50er Jahre zum Thema der sogenannten Halbstar­ken­filme. Erstaunt stellte ich fest: Die Dimen­sionen haben sich gewaltig verändert – aber sonst nicht so viel.

Mitte des vorigen Jahrhun­derts tippte man seine wissen­schaft­lichen Arbeiten auf einer Schreib­ma­schine, in die man DIN A4-Bögen mit Kohle­papier und Durch­schlag­papier einge­spannt hatte. Dann gab man sie zum Buchbinder, lieferte die gefor­derte Anzahl von Exemplaren bei der Fakultät ab und behielt eines der Durch­schlag­ex­em­plare für sich. Man bekam seine Note und mit dem Diplom in der Tasche startete man seine Berufs­laufbahn. Aus der Versenkung geholt und im Folgenden für heutige Leser aufbe­reitet: Meine Diplomarbeit.

Sommer 2019

Menü