Kein Urteil fällen!

Herr, wer gib uns das Recht, über andere zu urteilen? Du nicht. Wir nehmen es uns heraus. Eine Anmaßung. Denn was wissen wir schon über unseren Nächsten? Selbst wenn wir mit ihm zusammenleben?

Können wir in alle Winkel seines Herzens schauen? Sind uns seine Beweg­gründe bekannt? Wir kennen uns doch nicht einmal selber. Überra­schen uns gelegentlich selbst.

Wissen wir denn, was alles in uns steckt? An Gutem wie an Bösem? Wie verführbar wir sind? Und dennoch halten wir uns für berechtigt, andere Menschen abzustempeln und zu verurteilen.

Halte mich zurück, Herr, wenn ich wieder einmal über einen Mitmen­schen urteile. Womöglich im Beisein anderer, deren Urteil ich mich anschließe oder die ich mit meinem Urteil beein­flussen möchte.

Falle mir in den Arm, wenn ich aus Zorn, vielleicht sogar Hass jemanden verleumde, ihm Böses wünsche, ihn versuche fertig zu machen, ihn dem allge­meinen Spott preisgebe.

Hilf mir, mich von Menschen fern zu halten, deren Einfluss mich in Gefahr bringt – aber lass mich ihnen gegenüber keinen Groll hegen oder sie gar verachten.

Nur Du, unser allwis­sender Schöpfer, kennst uns bis in den letzten Winkel unserer Seele. Nur Dir stehen Urteil und Gericht zu. Wir hoffen auf deine Gerech­tigkeit. Und liebe­volle Barmherzigkeit.

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