Übung 13: Sprach­phan­tasie

Während meiner Studen­tenzeit in München bin ich mit Freunden viel ins Theater gegangen. Beim Anstehen nach verbil­ligten Karten haben wir uns die Zeit mit einem Spiel vertrieben. Seinem Spiel­partner sagte man zwei Substantive und ein Verb, und aus diesen drei willkürlich gewählten Worten musste der dann einen plausiblen Satz formu­lieren. Beispiel: Leibwächter, Bettler, bellen. Lösung: Die Leibwächter des promi­nenten Schau­spielers schubsten den Bettler zur Seite, der sich ihnen in den Weg gestellt hatte, und einer von ihnen trat nach dem Hund, der sie anbellte.

Da nach einiger Übung eine Lösung meistens schnell gefunden war, erhöhten wir den Schwie­rig­keitsgrad: drei Substantive und zwei Verben. Beispiel: Nashorn, Laptop, Bunker, husten, trinken. Jetzt musste schon länger nachge­dacht werden, um einen plausiblen Satz zu finden. Als Limit für die Nachdenkzeit legten wir drei Minuten fest. Es durfte nicht laut gedacht, sondern es musste eine fertige Lösung präsen­tiert werden. Wenn wir zu mehreren waren, gab einer die drei oder fünf Worte vor und derjenige war Gewinner, der als erster eine plausible Lösung zu bieten hatte. Plausibel: Der Satzinhalt und die Satzform durften nicht an den Haaren herbei­ge­zogen sein.

Lösungs­bei­spiel für die oben genannten fünf Worte: Hirschberg musste ständig husten, obwohl er gegen seine Halsschmerzen einen Kräutertee trank, und trotz der Ablenkung durch Berger, der ihm auf dem Laptop Urlaubs­fotos von einem Nashorn zeigte, das er während seiner letzten Afrika­reise aus einer Art Bunker heraus aufge­nommen hatte. Wenn auch Sie Ihre Phantasie im Umgang mit Sprache trainieren wollen: >Haus, Fahrrad, wandern< und >Freund, Helm, brennen<.

Sollten Sie am Anfang etwas zögerlich zu Lösungen kommen, geben Sie nicht auf! Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie Sätze mit nur einem oder zwei der genannten Worte auf. Versuchen Sie dann, das dritte Wort mit einem Nebensatz hinzu­zu­fügen. Lenken Sie Ihre Kreati­vität auf das Erfinden von Episoden, die zu einem der Worte passen und die sich mit Hilfe der übrigen Worte ausdif­fe­ren­zieren lassen. Wenn Sie genügend Übung haben, erhöhen Sie auf fünf: >Studen­tenzeit, Freunde, Theater, gehen, vertreiben<. Und: >Wasser, Turnschuh, Handy, tauchen, bewegen<.

Stellen Sie selbst weitere Wortgruppen zusammen. Trainieren Sie solange, bis Ihnen das Phanta­sieren Spaß und kaum noch Mühe macht. Sehen Sie sich dann nach Partnern um, mit denen Sie aus der Übung ein lustiges Spiel machen können. Sie werden staunen, wie viel Phantasie in Ihnen und Ihren Spiel­partnern steckt.

Download [PDF, 338.0 Byte]

Menü