Woraus Sie viel für sich machen können: Reisen

Eine Reise, die man aus dem Katalog bucht, mag der Erholung dienen. Wenn Sie indes neue Einsichten gewinnen und berei­chernde Erfah­rungen sammeln wollen, dann planen Sie Ihre Reisen wie ein Projekt selbst. Je gründ­licher die Vorbe­rei­tungen, um so inten­siver das Erleben. Ein Land lernt man am besten durch seine Menschen kennen. Versuchen Sie deshalb, Gastgeber zu finden, und seien Sie ein guter Gast.

Wozu Reisen gut sind

Die Anlässe zu Reisen sind vielfältig: Erholung suchen, Freunde wieder­sehen, Geschäfte abschließen, Dienst­auf­träge wahrnehmen, Kultur­er­eig­nisse erleben, die Welt kennen­lernen. Reisen fallen sehr unter­schiedlich aus, je nachdem ob man allein, zu zweit, als Familie, in bekannter oder unbekannter Gruppe, mit dem Sport­verein oder mit Berufs­kol­legen unterwegs ist. Eine Rolle spielt auch, in welchem Lebens­alter und in welcher Lebens­phase oder Lebens­si­tuation man seine Reisen macht. Wie auch immer – aus einer Reise lässt sich eine Menge machen.

Was suchen Menschen auf Reisen? Der eine möchte dem Alltag entfliehen und in Ruhe Abstand zu seinem Umfeld gewinnen, der andere will Abenteuer; dem einen geht es um Gesel­ligkeit und sport­liche Betätigung, dem anderen um Einsamkeit in atembe­rau­bender Natur; den einen inter­es­sieren die Menschen fremder Länder, den anderen Museen oder Opern­fest­spiele; usw. Auf dem Riesen­markt Tourismus kann man sich fast jeden Wunsch erfüllen.

Viele Zeitungen und Zeitschriften haben spezielle Reise­seiten. Es gibt Magazine, die sich nur mit dem Thema Reisen beschäf­tigen. Die Fernseh­sender bieten Reise­ma­gazine. Reise­bücher und ‑videos kann man leihen oder kaufen. Kein anderer Markt bietet derart zahlreiches Infor­ma­ti­ons­ma­terial. Nichts ist einfacher, als sich ein Reise­archiv anzulegen.

Planen Sie Ihre Reisen wie Projekte!

Reisen gehören zur Persön­lich­keits­ent­wicklung. Früher sagte man: Reisen bildet. Der Jugend­liche, der als Anhalter reist, kann genauso viel persön­lichen Gewinn haben wie der Geschäftsmann, der nach Terminplan seine Gesprächs­partner trifft und Produk­ti­ons­stätten besichtigt. Der Erfolg einer Reise hängt mit der Qualität der Vorbe­reitung zusammen. Das ist Projekt­arbeit.

Beispiel “Skiurlaub”. Eine Gruppe junger Leute will Skilaufen fahren: Im Januar zwei Wochen in die Alpen. Wer kennt sich da wo aus? Wer besorgt Infor­ma­tionen über Angebote? Eine Pension buchen oder eine Ferien­wohnung mieten? Mit dem Zug oder mit Autos? Welche Schwie­rig­keits­grade soll das Skigebiet haben? Wer will Skiun­ter­richt nehmen? Wer will Touren machen? Welche Unter­hal­tungs­mög­lich­keiten gibt es am Abend? Was soll der einzelne für die Gruppe mitnehmen? Gesell­schafts­spiele? Getränke? Haben alle eine Skiaus­rüstung? Kann einer denen aushelfen, die nicht alles selbst haben? Wer kennt jemanden, der über das Gebiet etwas erzählen kann? Gibt es Karten­ma­terial? Von wem kann man sich Infor­ma­tionen zuschicken lassen?

Je inten­siver die Vorbe­reitung, um so größer die Vorfreude!

Winter­urlaub ist kein besonders schwie­riges Projekt. Reist man dagegen in andere Klima­zonen, in Weltge­genden anderer Zivili­sa­ti­ons­formen oder abseits verkehrs­tech­nisch erschlos­sener Gebiete, braucht man erheblich mehr Vorbe­rei­tungs­aufwand. Das muss nicht gerade so anspruchsvoll sein wie eine Expedition, auf die sich die Teilnehmer mitunter jahrelang vorbe­reiten. Aber Indivi­du­al­reisen außerhalb touris­tisch durch­or­ga­ni­sierter Ferien­ge­biete werden nur dann zu einem Gewinn an Lebens­er­fahrung ohne leicht­fer­tiges Risiko, wenn general­stabs­mäßig vorge­dacht, geplant und in die Wege geleitet wird.

Ein zweites Beispiel. Man will die Natur­parks des Südwestens der USA bereisen. Zu welcher Jahreszeit? Wie lange? Was wird vorge­bucht? Was bucht man erst drüben, was schon hier? Mit dem Homemobil oder mit dem PKW? Wo soll die Reise in den Staaten beginnen? Welche Strecke soll gefahren werden? Welche Reise­führer und Bildbände gibt es?

Liegen die wesent­lichen Antworten vor und sind die grund­le­genden Entschei­dungen getroffen, sollte ein erstes Planungs­gerüst erstellt werden. Dazu gehört:

  • ein Zeitplan,
  • ein Streckenplan,
  • ein Aktionsplan und
  • ein Finanzplan.

Auch die Vorbe­rei­tungs­ar­beiten werden zu einem Aktionsplan zusam­men­ge­fasst. Schließlich die to do-Liste für den Countdown: Was ist vor der Abreise alles zu erledigen?

Vorfreude und Spannung steigern sich bei einer solchen Vorbe­reitung immer mehr – bis es dann endlich losgeht.

Wer glaubt, sich eine intensive Vorbe­reitung schenken zu können – weil man angeblich keine Zeit dazu hat oder das Reisebüro das ja alles machen kann oder vor Ort die bessere Gelegenheit sein müsste –, der riskiert nicht nur unange­nehme Überra­schungen, sondern kann seine Reisezeit weder optimal nutzen noch sein Reise­gebiet seinen Inter­essen entspre­chend ausschöpfen. Er kann hinterher sagen, er sei da gewesen, aber erlebt hat er nur, was der Zufall geboten hat.

Lassen Sie keinen Urlaubs­stress aufkommen!

Bei aller Vorbe­reitung: Es wäre sicher ein Missver­ständnis, eine Reise exakt als Planvollzug zu absol­vieren. Eine präzise Vorbe­reitung hilft vielmehr, offen zu sein für Korrek­turen oder spontane Änderungen. Gerade das wird durch das gesam­melte und aufge­ar­beitete Vorwissen möglich: Man kann vorort in Alter­na­tiven denken, sich schnell auf neue Gegeben­heiten umstellen. Denn man hat die dazu notwen­digen Basis­kennt­nisse. Man kann eher beurteilen, ob man ein unerwar­tetes Angebot annehmen sollte oder lieber nicht. Man fühlt sich freier und sicherer.

Urlaubs­stress vermeidet, wer auf Zeiten der Aktivität Zeiten der Beschau­lichkeit folgen lässt. Man sollte nicht von einer Attrak­ti­vität zur nächsten hasten. Lieber Programm­punkte streichen, wenn es zu dicht wird. Auch sollte man nicht alles fotogra­fieren wollen. Genießen Sie den schönen Augen­blick zunächst einmal ohne Kamera. Erst dann dokumen­tieren. Fortwährend Souvenirs einzu­kaufen, stiehlt ebenfalls kostbare Reisezeit. Reisen heißt: erleben, erfassen, kennen­lernen, Erfah­rungen sammeln.

Führen Sie ein Reise­ta­gebuch!

Ein besonders gut geeig­netes Mittel, die Erleb­nisse einer Reise in all ihren Berei­che­rungen, Erfah­rungen und Begeben­heiten festzu­halten, ist ein Reise­ta­gebuch. Das kann ein einfaches Schreibheft sein, in das man täglich einträgt, wo man war, welchen Menschen man begegnet ist, was einem alles auffiel, was einen beglückt hat, was einem gefährlich vorkam, was einen in Erstaunen versetzt hat, was einem rätselhaft war, welche Einsichten zuteil wurden, wie man sich fühlt usw.

Auch Zeit- und Wetter­an­gaben können Sie eintragen. Wer zeichnen kann, wird sicher Freude daran haben, Skizzen einzu­fügen. So ein Reise­ta­gebuch hilft einem nicht nur, das Reise­er­lebnis zu vertiefen, es ist auch die beste Grundlage, zuhause die gesam­melten Erfah­rungen noch einmal nachzu­er­leben und aufzu­ar­beiten. Es stimmt: Reisen bildet.

Andere Länder lernen Sie am besten durch
den Kontakt zu ihren Menschen kennen

Will man – wie es so schön heißt – Land und Leute kennen­lernen, gelingt das kaum über Small-talk-Bekannt­schaften, die man unterwegs macht. Deshalb ist es ratsam, bei der Vorbe­reitung Adressen ausfindig zu machen und Kontakte herzu­stellen, die einem Besuche ermög­lichen.

Dazu gibt es zahlreiche Ansatz­punkte: Kollegen aus dem Berufsfeld; Sport- und Freizeit-Vereine, die dem Heimat­verein entsprechen; Städte­part­ner­schaften; Fan-Clubs etc. Spätestens an diesem Vorbe­rei­tungs­punkt stellt man dann auch fest, dass es gut war, wenigstens einiger­maßen Englisch gelernt zu haben. Wer kontakt­freudig und findig ist, wird genügend Adres­sen­ma­terial bekommen. Per E‑Mail und Telefon lassen sich schon vor Reise­beginn erste Kontakte knüpfen.

Vor Ort muss man dann unbefangen feststellen, ob die Aufnahme des Kontakts wirklich auf ausrei­chendes gegen­sei­tiges Interesse stößt oder nicht. Das ist oft eine Frage spontaner Sympathie. Bei einer solchen Begegnung, in der man die Rolle des Gastes beherr­schen muss, zeigt sich sehr schnell, ob man sich gut genug auf das Gastland vorbe­reitet hat.

Eine Besuchs­si­tuation wird zu einem berei­chernden Erlebnis, wenn man sich das notwendige Vorwissen über Sitten und Gebräuche im Lande verschafft hat. Hinzu­kommen muss jenes Finger­spit­zen­gefühl, das Gastgeber und Gäste zuein­ander finden lässt. Dann besteht die Chance, dass es über den Small talk hinaus geht und vielleicht sogar zu gemein­samen Unter­neh­mungen und zu Freund­schaft kommt.

Dokumen­tation und Schluss­fol­ge­rungen

Zurück von der Reise kann man bekanntlich viel erzählen, aber damit sollte es nicht sein Bewenden haben. Ein “Reise-Projekt” braucht seinen Abschluss: Eine Dokumen­tation, die den Verlauf schildert und bewertet sowie Schluss­fol­ge­rungen zieht. Das Reise­ta­gebuch, die Fotos und Videos sowie das gesam­melte Infor­ma­ti­ons­ma­terial, einschließlich dessen, was unterwegs noch hinzu­ge­kommen ist, bilden die Grundlage, liefern die Belege und Anschau­ungs­bei­spiele. Die Dokumen­tation sollte man möglichst bald nach seiner Heimkehr verfassen, solange die Erinne­rungen noch präzise sind. Planen Sie deshalb eine Reise immer so, dass Sie nicht gleich am Tag danach wieder im Job sein müssen!

Als Gliederung bietet sich der zeitliche Ablauf an. Aber man kann auch anders struk­tu­rieren, beispiels­weise nach Begeg­nungen mit beein­dru­ckenden Menschen, Höhepunkten des Natur- und/oder Kultur­er­lebens. Geson­derte Kapitel kann man inter­es­santen Ereig­nissen, beson­deren Beobach­tungen und Entde­ckungen widmen. Vergleiche mit dem heimi­schen Umfeld, gewonnene Ansichten und Merkposten für die nächsten Reisen sollten nicht fehlen.

Wer seine Ausflüge in die Welt derart projek­tiert, ausführt und abschließt, wird sehr bald schon den immensen Gewinn solch inten­si­vierten Reisens erfahren. Jeder weiß: Nur mit entspre­chender Ausrüstung und Vorbe­reitung kann man zu den Gipfeln dieser Welt aufsteigen oder Flora und Fauna der Urwälder dieses Planeten erkunden. Ähnlich ist es mit jeder anderen Reise. Wer Reisen wie ein Projekt angeht, gelangt vom bloßen “da gewesen” zum nachhal­tigen “erlebt”.

Paul Halbe: Jeder sein eigener Unternehmer

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