Wie die Freuden eines Marathonlaufs: Selbstverbesserung

Ohne Anstrengung einfach alles können. In jeder Situation. Wie ein junger Gott, genial und schön – so würden wir gerne auf der Bühne unseres Lebens agieren. Spontan tun, wonach einem zumute ist. Und nicht befürchten müssen, dass ein dickes Ende hinterher kommt. Essen und trinken nach Herzenslust. Zusam­men­leben mit wem man gerade möchte. Arbeiten ohne Zwänge.

Aber von Kindes­beinen an erfahren wir es anders: Dauernd ist etwas falsch. Ständig werden wir ermahnt, vor etwas aufzu­passen, uns in acht zu nehmen. Unablässig belehrt man uns. Nicht was man möchte, muss man tun, sondern man muss das tun, was die Erwach­senen für richtig halten.

Wenn wir uns dann im Revier unserer Kindheit einge­richtet haben, kommt der Schock der Einschulung: Disziplin und Lernzwang. Die Schule packt uns, bestimmt unseren Tag. Auch wenn die Anpassung gelingt und wir Leistung bringen, so haben wir doch das Gefühl, dass wir fremd­be­stimmt leben – und wir sehnen uns nach dem Tag des Erwach­sen­seins, von dem an wir eigen­mächtig tun und lassen können, was wir wollen.

Freiheits­be­raubung und Versa­gens­ängste

Meine Zeit auf dem Gymnasium gehört zu den Leidens­zeiten meines Lebens. Auch wenn ich seit langem weiß, dass man mir dort eine durchaus wertvolle Lebens­aus­rüstung vermittelt hat – die beson­deren wie die allge­meinen Umstände meiner Schulzeit haben Ängste in mir verur­sacht und verfestigt, von denen ich mich bis heute nicht endgültig befreien konnte. Der Unter­richt wurde immer inten­siver und behin­derte mich mehr und mehr in dem, was ich für das „eigent­liche Leben“ hielt. Schließlich lebte ich in zwei Welten: der Schulwelt, in der ich ständig von Versa­gens­ängsten geplagt wurde, und in der Welt meiner selbst­be­stimmten Aktivi­täten wie Sport, Reisen, Geld verdienen.

Eine wichtige Überzeugung leitete mich: Alles lässt sich erreichen, wenn man es richtig anstellt. Heute schränke ich ein: Fast alles. Um in der Schule nicht sitzen zu bleiben, war neben einem Minimum an Lernstoff-Bewäl­tigung die richtige Einschätzung des Lehrer­ver­haltens erfor­derlich. Um befrie­digend Tennis zu spielen, Motorrad statt Fahrrad zu fahren, ein Mädchen für sich zu gewinnen, Geld in der Tasche zu haben und anderes mehr – dazu musste man überlegt und syste­ma­tisch vorgehen. Beim Schach­spielen und beim Züchten von Skalaren hatte ich die Erfahrung gemacht: Die richtigen Züge und Maßnahmen führen Schritt für Schritt zum gewünschten Erfolg.

Eine weitere Erfahrung habe ich während meines Studiums und in den ersten Berufs­jahren gemacht. Eine mich traurig stimmende Erfahrung: Die Hoffnung, auf einen lebens­er­fah­renen Menschen zu treffen, der mir Vorbild und Lehrmeister hätte sein können, wurde nicht erfüllt. Weder habe ich einen Professor gefunden noch einen Chef gehabt, die mich indivi­duell nach vorne gebracht hätten. Die einen wollten prüfbare Leistung und die anderen verwertbare Leistung. Um mich als Person hat sich niemand gekümmert. So war ich gezwungen, allein meinen Weg zu suchen.

Unsere Gedan­kenwelt prägt uns

Auf unserem Lebensweg kommen wir an Punkte, wo andere schon vor uns waren. Dort kann man so etwas wie Täfelchen finden, auf denen beispiels­weise steht:

  • Ohne Schweiß kein Preis!
  • Hochmut kommt vor dem Fall!
  • Wer rastet, der rostet!
  • Des Menschen Wille ist sein Himmel­reich!
  • Wie man sich bettet, so liegt man!
  • Kein Meister fällt vom Himmel!

Immer wieder wünschen wir uns, aus einem Gefühl genialer Veran­lagung heraus handeln zu können – locker, leicht und allseits bewundert. Aber dann erfahren wir den Frust, durch eigene Fehler zurück­ge­worfen zu werden. Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit schmerzt. Manche können sich die eigenen Fehler nicht einge­stehen und machen die Bösar­tigkeit der Menschen sowie widrige Umstände für ihre Misserfolge verant­wortlich; sie glauben, ein Lotto­gewinn, ein Traumjob oder ein bestimmtes Gesell­schafts­modell könne die Kluft schließen. Irrglaube.

Nur jeder für sich allein kann durch das, was er aus sich macht, ein zufrie­dener Mensch werden. „Unser Leben ist das, wozu unsere Gedanken es machen.“ (Mark Aurel)

Lernpaket Mensch

Kein Lebewesen wird so unfertig geboren wie der Mensch – aber er wird als Lernpaket geboren. Was aus ihm wird, ist in den frühen Jahren abhängig von der Umgebung, in die er hinein­ge­boren wird, abhängig von den Bezugs­per­sonen. Im Laufe der Jahre wächst er in seine Möglich­keiten hinein, wird er erwachsen und selbst­ver­ant­wortlich.

Keiner wird faul, fett und gefräßig geboren. Kinder sind von Natur aus initiativ, neugierig, lernfähig, kreativ. Jeder macht schon als Kind Erfah­rungen wie die, dass man seine Sinne gebrauchen muss, um die Wirklichkeit zu erfassen, dass man fragen muss, um Erklä­rungen zu bekommen, dass man probieren muss, um etwas heraus­zu­finden, dass man sich anstrengen muss, um etwas zu erreichen.

Aber eine falsche oder kaum statt­fin­dende Erziehung seitens der Eltern, die ihr Versagen dann oft mit materi­ellen Wohltaten zu kompen­sieren versuchen, eine Medien­be­rie­selung, die ein schrilles Reizklima schafft, und eine Politik, die unter dem hehren Anspruch des Sozialen die Übel dieser Welt aufzu­heben verspricht – all das lässt viele junge Menschen die für sie lebens­wich­tigen Erfah­rungen nicht genügend verin­ner­lichen.

Ein solches Umfeld – die Kehrseite mancher Karriere von Eltern – macht Kinder und Jugend­liche unbeholfen, schränkt ihre Entfal­tungs­mög­lich­keiten ein, hindert sie, erwachsen und lebens­tüchtig zu werden. Wenn dennoch die abver­langten Schul­ab­schlüsse geschafft werden, verfällt mancher der jungen Leute dem Irrtum, jetzt sei die Lernphase des Lebens abgeschlossen. Ein Hochgefühl: Nie mehr lernen müssen! Das macht es schwer, zu erkennen und zu akzep­tieren, dass man weiter lernen muss und dass man das Lernen spätestens jetzt in die eigenen Hände nehmen sollte.

Auch als Erwach­sener befindet man sich ständig in Lernsi­tua­tionen; auch wenn man das nicht merkt, weil sie nicht schul­mäßig arran­giert sind. Was wir aus diesen Situa­tionen machen, ob wir ihnen gewachsen sind, ob wir Einsichten und Erfah­rungen daraus gewinnen – das hängt einzig und allein von uns, von unserer Lern- und Lebens­ein­stellung ab.

Lernen als kindliche Lebens­freude

Klein­kinder sind ununter­brochen dabei, voller Neugier und Interesse ihr Umfeld zu erkunden. Zu dieser Grund­ein­stellung unserer ersten Jahre sollten wir versuchen zurück­zu­finden. Viele Situa­tionen unseres täglichen Lebens lassen sich als berei­chernde Lernsi­tua­tionen verstehen:

  • wir begegnen fremden Menschen,
  • wir erfahren Neuig­keiten,
  • wir stellen uns auf einen neuen Chef ein,
  • wir wechseln den Arbeits­platz,
  • wir ziehen in eine andere Stadt,
  • wir gehen auf Reisen,
  • wir tauchen in ein ungewohntes Milieu,
  • wir erleben fremde Bräuche und Sitten,
  • wir erarbeiten uns ein neues Arbeits­gebiet,
  • wir finden Gefallen an einem Hobby,
  • wir lassen uns auf Unbekanntes ein.

Sonder­ba­rer­weise lassen wir all das nur ungern als Lernprozess zu. Heraus­for­de­rungen sehen wir nicht so sehr als großar­tiges Lernan­gebot, sondern eher als willkommene Gelegenheit zu zeigen, was wir alles schon können. Es soll mühelos aussehen, wie wir unsere Aufgaben meistern. Wir haben ja schließlich eine beträcht­liche Ausbil­dungszeit hinter uns, haben womöglich studiert, gar promo­viert. Da hat man doch alles drauf!

Man hat Vorteile. Theorie­vor­teile, die weit weg sein können von der Wirklichkeit täglichen Lebens. Generell ist das, was man „drauf hat“, immer nur bruch­stückhaft. Selbst bei erstklas­sigen Lernfä­hig­keiten, höchster Intel­ligenz und besten Charak­ter­ei­gen­schaften ist jede Art von Ausbildung Stückwerk. Ab Eintritt ins Berufs­leben nur noch on the job lernen wollen, heißt die Heraus­for­de­rungen des Lebens leicht­sinnig und einge­bildet unter­schätzen. Dieser Arroganz selbst­ge­fäl­ligen Erwach­sen­seins entgeht, wer sich wie ein Kind ganz selbst­ver­ständlich unablässig weiter­ent­wi­ckelt und verbessert. Das heißt: als Erwach­sener anerkennen, dass man nicht vollkommen ist, aber fähig, ständig hinzu­zu­lernen.

Sportler zeigen, wie es geht

Niemand beteiligt sich an einem Marathonlauf, der sich auf eine solche Heraus­for­derung nicht vorbe­reitet hat. Keiner käme auf die Idee, weil er zuhause regel­mäßig joggt und jetzt gerade in New York ist, sich mal eben unter die Läufer zu mischen. Aber im täglichen Leben, wo es bisweilen um viel mehr geht als um die Glücks­hormone eines bewäl­tigten Marathon­laufs – im Beruf oder in der Lebens­führung –, da glaubt man, aus dem Stand heraus handeln zu können.

Noch ein Beispiel aus dem Sport: Keiner käme auf die Idee, in der Leicht­ath­letik an einem Weitsprung­wett­bewerb teilzu­nehmen, ohne vorher mit Eifer und System seine Anlauf- und Sprung­technik entwi­ckelt sowie sich körperlich fit gemacht zu haben. Aber im täglichen Leben soll alles ohne solche Mühe gehen. Arbeits­agentur vermittle mich! Spitzen­sportler sind Perfek­tio­nisten, die über Jahre unbeirrt sich ständig weiter verbessern.

Selbst­ver­bes­serung heißt, sein Leben als ständige Chance verstehen; heißt, bewusst und syste­ma­tisch vorgehen. Bewusst und syste­ma­tisch heißt: ganz selbst­ver­ständlich und in kindlicher Unbeküm­mertheit Mittel und Methoden des Lernens benutzen. Selbst­ver­bes­serung lässt einen immer einsich­tiger und ausge­gli­chener leben; man leidet nicht darunter, sich dauernd etwas aneignen zu müssen, weil man etwas noch nicht weiß oder kann. Statt­dessen genießt man die Freuden seines unent­wegten Zuwachses an Erkennt­nissen und an Handlungs­fä­higkeit, die einen zu immer neuen Ufern führen. Das ist das Gegenteil der eitlen und selbst­ge­fäl­ligen Prahlerei derer, die anderen immerfort vorführen, was sie alles können und haben.

Selbst­ver­bes­serung als Lebens­ein­stellung

Selbst­ver­bes­serung als Lebens­ein­stellung entkrampft. Ich muss nicht sein, der ich nicht bin. Ich brauche nicht die Schau des klugen Kerlchens, des cleveren Typs, des Karrie­re­ma­chers, des Tausend­sassas, des reichen Mannes. Ich habe mich gefunden, bin ganz bei mir, ruhe in mir, weiß um meine Fähig­keiten, bin ausge­glichen – und bescheiden. Wer sich in seinem Wissen ständig verbessert, der sieht recht bald, dass sein Wissen immer nur bruch­stückhaft ist. „Je mehr ich weiß, um so mehr weiß ich, dass ich nur sehr wenig weiß“ – das ist eine alte Mensch­heits­er­fahrung.

Das Leben reflek­tierend und voraus­schauend gestalten – das ist die Einstellung, mit der wir auf unserem Pilgerweg voran­schreiten. Der Einwand, dann könne man ja nicht mehr spontan sein, ist irrig. Wer gerne spontan reagiert, lässt sich von anderen vorgeben, worauf er reagiert; sein „spontan“ ist schon fremd­be­stimmt. Dann fällt man auch auf Heirats­schwindler und Wahlbe­trüger herein. Spontan richtig agieren, das ist durchaus erstre­benswert. Dazu aber braucht man sicheren Boden unter den Füßen; den schafft man sich mit mehr Wissen und größerer Handlungs­freiheit. Dann kann man spontan variieren oder Neues kreieren, dann erlebt man mit sich geniale Augen­blicke.

Wer sich selbst selbst­ver­bes­sernd an die Hand nimmt, braucht sich zu nichts zwingen und muss keinen Kraftakt vollbringen. Auch ist es keine Sache guter Vorsätze am Silves­ter­abend. Es ist einfach das tägliche Tun aus einer chancen­ori­en­tierten Lebens­ein­stellung heraus. Alles ist verbes­se­rungs­fähig. Unter­nehmer wissen aufgrund des Wettbe­werbs, in dem sie sich behaupten müssen: Das Bessere ist die Chance des Guten.

Selbst­ver­bes­serung bewahrt nicht vor Misserfolgen und Rückschlägen, aber die werden nicht schick­sals­er­geben hinge­nommen, sondern als Lernchance wahrge­nommen. In dem Auf und Ab der Höhen­flüge und Abstürze steckt dann eine langfristige Tendenz: immer mehr Glücks­emp­finden durch tiefere Einsichten, Erkennen der Zusam­men­hänge, durch das Wissen um die Ursachen, durch das Zunehmen der persön­lichen Fähig­keiten, situa­tions-gerechtes Handeln, wachsende soziale Kompetenz – kurz: innere Freude über die sich auswei­tende und vertie­fende Gestaltung des Lebens; man spricht auch von Selbst­ver­wirk­li­chung. Man findet und entwi­ckelt das, was in einem steckt.

Müheloser, fliegender Start

Konti­nu­ier­liche Selbst­ver­bes­serung braucht man weder nach einem bestimmten Programm noch bei Null anzufangen. Man fängt einfach an, fliegender Start. Entspre­chend der neuen Lebens­ein­stellung entwi­ckelt sich ganz von allein ein neuer Fahrstil und daraus ergibt sich alles andere. Initiativ werden!

Gegen Ende meiner Schulzeit war ich auf der Suche nach einem Erfolgs­rezept. Ich stieß über Bekannte meiner Eltern auf Oskar Schellbach und sein Erfolgs­system. Als Primaner fuhr ich nach Baden-Baden und nahm an einem seiner Kurse teil. Sein dickes Buch habe ich nur teilweise durch­ge­ar­beitet; es war mir zu viel, strecken­weise zu kompli­ziert, insgesamt fand ich es perfek­tio­nis­tisch und in der Termi­no­logie oft abstoßend. Ich wollte Anregungen und keine Verein­nahmung. Letzteres will die Mehrzahl der Autoren, die Erfolgs­systeme anbieten. Mein Eigensinn hat mich davor bewahrt, der Anhänger irgend­eines Erfolgs­gurus zu werden.

Nach wie vor übernehme ich nichts, sondern sehe ich mir an, worauf ich mit meiner Neugier stoße, werte aus, prüfe. Argumente und Einsichten, Hilfs­mittel und Methoden, mit denen ich etwas anfangen kann, passe ich in meine Situation und Handlungs­weise ein. Es muss meinem „Fahrstil“ entsprechen. Selbst­er­fahrung bringt einen vorwärts.

Selbst­ver­bes­serung fängt man da an, wo man gerade ist. Sie bezieht sich immer auf morgen. Bevor ich morgen weiter­mache, denke ich über das nach, was ich heute gemacht habe, wie ich es getan habe und was ich daraus für das nächste Mal lernen kann. In Abläufen denken: Was war? Wie war es? Verbes­se­rungs­mög­lich­keiten? Verbes­se­rungs­maß­nahmen!

Ein Beispiel aus der Banalität des Alltags: Kühlschrank auf, Kühlschrank zu; alles rein, wo gerade Platz ist; vorm Rausholen nachsehen oder gar suchen, wo es denn geblieben ist. Nach und nach eine Kühlschrank­ordnung schaffen, die der Gebrauchs­häu­figkeit, der Verpa­ckungsart und ‑größe entspricht, spart Energie und Zeit; vor allem bei mehreren Kühlschrank­be­nutzern. Verbes­se­rungs­chance erkannt und genutzt, kein Suchen mehr und stets wissen, was nachzu­kaufen ist.

Holen Sie sich Anregungen, trainieren Sie!

Es gibt eine Fülle von Anregungen für Ihren neuen Fahrstil. Lesen Sie, prüfen Sie, machen Sie sich Brauch­bares zu eigen! Gehen Sie von Zeit zu Zeit mit sich in ein Trainings­lager, machen Sie abends schon mal Gehirn­jogging! Das muss keine ungesellige Angele­genheit sein. Es gibt viele Gemein­schafts­spiele, die bestes Jogging für die grauen Zellen sind, beispiels­weise Schach, Skat, die unter sinnpholl.de vorge­schla­genen Sprach­spiele und viele andere Spiele mehr.

Eine Reihe beson­derer Verhaltens- und Aktions­weisen wirken wie Raketen­sätze der Selbst­ver­bes­serung. Solche sind:

  • Aktives Lesen,
  • Konzen­tra­tions- und Gedächt­nis­training,
  • Fragen­ka­taloge erstellen,
  • Tagebuch führen,
  • Erleb­nis­be­richte schreiben,
  • Sprach­übungen,
  • Durch­füh­rungs­pro­gramme entwi­ckeln,
  • Reisen detail­liert vorbe­reiten.

All das kann man nicht gleich­zeitig in seine Lebens­weise einführen. Man fängt mit dem einen oder anderen an, macht ein Projekt daraus. Nach und nach kommt man vom Start weg und gleitet hinüber in einen fortwäh­renden Prozess. Die Erfolge des „immer besser“ sorgen ganz von allein für den Fortschritt und die Ausdehnung auf mehr und mehr Lebens­be­reiche.

Doch manch einer hat Hemmungen, einfach loszu­legen: Was sollen die Leute denken? Mein Partner? Meine Kollegen? Wem es nicht gegeben ist, ungeniert vor Mitmen­schen zu tun, was ihm nützt und was die anderen nicht beein­trächtigt, der beginnt mit Maßnahmen, die er in seiner Privat­sphäre ausüben kann. Diese Sphäre muss sich schaffen, wer auf die eigenen Füße kommen will – ohne Pardon. Alles andere ist Leben unter Vormund­schaft.

Die Zeiten mündel­si­cheren Überlebens sind vorbei. Wer glaubt, er könne die Umwäl­zungen unserer Zeit ohne Selbst­ver­bes­serung überstehen, bringt sich langsam aber sicher ins Hinter­treffen. Wo in der Arbeitswelt früher die Arbeits­an­wei­sungen detail­liert vorge­geben wurden, wird heute selbständige Planung und Durch­führung der gestellten Aufgaben verlangt. Wo früher in strenger hierar­chi­scher Zuordnung Arbeit verteilt, beauf­sichtigt und kontrol­liert wurde, werden heute Eigen­in­itiative und Selbst­kon­trolle erwartet. Wo früher jedem einzelnen Mitar­beiter sein Arbeits­pensum von Fall zu Fall zugemessen wurde, werden heute Gruppen gebildet, die ihren Arbeits­auftrag selbständig zu lösen haben.

Selbst­ver­bes­serung ist der Schlüssel zur Entwicklung seiner Persön­lichkeit. Machen Sie sich diese Lebens­freude. Es kann kein anderer.

Paul Halbe: Jeder sein eigener Unternehmer

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