Freude – nur ein Götterfunke?

Der Wunsch nach Freude beseelt alle Menschen. Aber die Unvoll­kom­menheit und Boshaf­tigkeit in der Welt rauben vielen Menschen die Freude. Der Versuch, besee­lende Lebens­freude durch eine Vergnü­gungs­in­dustrie zu schaffen, oder der Versuch, Freude durch Veran­stal­tungen in Kultur­pa­lästen und auf Parade­plätzen hervor­zu­rufen, fruchten nicht. Denn die Anein­an­der­reihung flüch­tiger Freuden wie in Las Vegas oder in den Räumlich­keiten der Staats­macht schafft nicht das Grund­gefühl der Freude wie sie Gottes­ge­wissheit schenkt.

Unfreiheit, Ungerech­tigkeit, Ghettos, Sucht­be­frie­digung, Umerzie­hungs­lager, Leiden und Sterben lassen sich nicht durch Heiter­keits­ver­an­stal­tungen erträglich machen. Das schafft nur die Besinnung auf das Gute und Schöne der Schöpfung, die Freude an der Pilger­schaft voller Hoffnung auf Erlösung, die Übernahme von Verant­wortung für sich und seine Nächsten, die Überwindung der Unzuläng­lich­keiten durch Liebe und der Glaube, dass die Sehnsucht nach Freude jenseits des Todes ihre Erfüllung findet.

Hin zum Licht!

Wie wohltuend ist es, in der Gesell­schaft eines frohen Menschen zu leben! Eines Menschen, der Freude ausstrahlt, der warmherzig ist, der Zuver­sicht gibt. Wir sollten danach streben, ein ebensolcher Mensch zu werden. Das ist nicht an äußere Umstände gebunden, sondern an unsere Lebens­ein­stellung. Innere Freude gilt es zu gewinnen. Freude, die sich nicht aus Wohlstand ableitet. Das habe ich gelernt bei Aufent­halten in der Dritten Welt, in Begeg­nungen mit Behin­derten und durch einen behin­derten Freund. Ich selber wurde auf die Probe gestellt, als ich zum Krebs­pa­ti­enten wurde.

Freude als belastbare Lebens­ein­stellung kann die Unzuläng­lichkeit, die Ungerech­tigkeit, das Böse, das Leiden und Sterben dieser Welt nicht aufheben. Aber Freude kann helfen, nicht an all dem zu zerbrechen. Wut und Trauer sind keine Gegen­sätze zur Freude, sondern sie bedingen Freude als Trost und Heilung, um nicht an Ignoranz und Lieblo­sigkeit, an Gleich­gül­tigkeit und Arroganz zu verzweifeln. Freude hat mit Mut und Weisheit, mit Duldsamkeit und Ertragen, mit Hoffnung und Liebe zu tun.

Wir kommen offen und bereit für die Freuden dieser Welt ins Leben. Es hängt von unserem Umfeld, von unseren Eltern, insbe­sondere von unserer Mutter ab, ob wir über freudige Erfah­rungen in Kindheit und Jugend ohne große Schatten ins Erwach­sensein finden. Damit Sonnen­strahlen in unser Leben fallen, müssen wir uns zum Licht hin entwi­ckeln. Lebens­freude kann das Leben erfüllen, wenn man zu sich selber findet.

Nicht das Glück von außen, etwa in Gestalt des Lotto­boten, sondern das Entdecken seiner selbst, seines Wahrneh­mungs­ver­mögens, seines Verstandes, seiner Talente und Tugenden, seiner Verant­wortung und Liebes­fä­higkeit macht bereit zur Freude. Jeder ist zur Freude begabt. Diese Gabe darf man nicht vernach­läs­sigen oder verschütten oder gar zerstören. Man muss sie vor der Bedrohung durch andere schützen. Man muss sie unablässig nutzen und zur Geltung bringen

Die Miesmacher zurück­drängen!

Ein Tagebuch hilft, zwischen die ständig auf uns einwir­kenden Einflüsse und unserem Ich eine Pufferzone zu legen. So lässt sich verhindern, dass andere Menschen über uns Macht gewinnen, indem sie unsere Aufmerk­samkeit auf sich ziehen, uns die Themen vorgeben, mit denen wir uns beschäf­tigen. Dazu müssen wir die Menschen und die Lebens­um­stände identi­fi­zieren, die uns beein­flussen: unser Denken, Reden, Fühlen und Handeln. Am Abend eines jeden Tages sollten wir uns fragen:

  • Worüber habe ich mich heute gefreut?
  • Worüber habe ich mich heute geärgert?

In einem Wochen­rück­blick am Samstag oder Sonntag: zusam­men­stellen, beispiels­weise in einer “gelben Liste”, was erfreulich, und in einer “schwarzen Liste”, was ärgerlich war. Diese Listen sieht man sich nach einigen Wochen an und geht Fragen nach wie diesen:

  1. Warum habe ich mich gefreut bezie­hungs­weise geärgert?
  2. Wer oder was war ursächlich für meine Freude bezie­hungs­weise meinen Ärger?
  3. Habe ich mich über mich selbst geärgert oder waren andere schuld?
  4. Welcher Ärger hätte sich wodurch vermeiden lassen?
  5. Was löst immer Freude in mir aus?

Mit Hilfe solcher Fragen finden Sie heraus, wo Sie ansetzen müssen, um nach und nach zu einer von Freude getra­genen Grund­stimmung zu gelangen. Zuerst müssen Sie die Miesmacher in Ihrem Leben erkennen, damit Sie ihnen Ihre Aufmerk­samkeit entziehen oder sie umpolen können.

Umpolen? Die wenigsten Dinge sind nur erfreulich oder nur ärgerlich. Es ist schon etwas dran, wenn es heißt: Alles hat zwei Seiten. Suchen Sie nach der guten, der erfreu­lichen Seite! Dazu müssen Sie Fragen stellen, die auch vom Negativen ausgehen können, beispiels­weise: Welche Chancen eröffnet mir die Kündigung meines Jobs?

Bei jedem Ärgernis sollte man sich fragen, welche Lehre man daraus ziehen kann. Manches, was man zunächst aufgrund schlechter Erfah­rungen oder aufgrund von Vorur­teilen abwehrt, gewinnt bei näherer Betrachtung andere und neue Aspekte, die positiv stimmen. Dann kann man einem Vorschlag auf einmal doch etwas abgewinnen. Kein Mensch ist nur gut oder nur schlecht. Wir alle sind durch­wachsen. Suchen Sie nach den guten Seiten Ihrer Mitmen­schen.

Das Führen des Tagebuchs über das, was erfreut, und das, was ärgert, ist der erste Schritt, unsere Aufmerk­samkeit langsam aber sicher auf das zu lenken, was Freude bereitet:

  • Wenn Sie gerne singen, gehen Sie in einen Chor!
  • Wenn Sie Freude an der Schönheit der Natur haben, wandern Sie – und zwar allein, damit Sie ohne jede Ablenkung mit wachen Sinnen die Natur genießen können!
  • Wenn Sie gerne schöne Bilder anschauen, gehen Sie ins Museum!
  • Wenn Sie Freude an Bewegung haben, treiben Sie Sport!
  • Wenn es Ihnen Freude macht, anderen Menschen zu helfen und zu dienen, schließen Sie sich einem der zahlreichen Wohltä­tig­keits­pro­jekte an!
  • Wenn Sie gerne Musik hören, gehen Sie ins Konzert!
  • Wenn Sie gerne Musik machen, schließen Sie sich einer Musik­gruppe an!
  • Wenn Sie das Schöne in der Welt lieben, prägen Sie es sich ein!
  • Wenn Sie gerne Bücher lesen, gönnen Sie sich Lesestunden und fassen Sie in einem eigenen Text zusammen, was Sie bei der Lektüre freudig gestimmt hat!
  • Wenn Sie gerne malen, zeichnen, fotogra­fieren, basteln, tun Sie es regel­mäßig und mit Ehrgeiz!

Es gibt tausend Möglich­keiten, sich einer Tätigkeit oder Aufgabe zu widmen, die Freude macht – einem selbst und anderen. Finden Sie diese Möglich­keiten heraus, planen und prakti­zieren Sie Ihre Freuden! Aber seien Sie kein Dilettant! Denn zur Freude gehört auch die Anstrengung, das ernst­hafte Bemühen, Leistung. “Gut gemeint” reicht nicht. Die Freude einer beson­deren Begabung kann nur genießen, wer bereit zum Üben und Trainieren ist. Genie ist Fleiß!

Sich nicht verbiestern lassen!

Die Verlet­zungen, die Menschen sich einander zufügen, haben zu sarkas­ti­schen Aussprüchen wie “Der Mensch ist des Menschen Feind” oder “Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich meinen Hund” geführt. Bei einer Bildungs­reise bin ich vor Jahren in eine Gruppe geraten, von der ich ausnahmslos jeden nach wenigen Tagen hätte auf den Mond schießen können. Zicken und Wider­linge. Sollte ich mich absondern? Die Reise abbrechen? Hassen oder lieben – das war die Frage. Um mir die Reise nicht total vermiesen zu lassen, habe ich mich dazu durch­ge­rungen, alle zu lieben. Es geht! Nicht dass ich mich gemein gemacht und allem und jedem mich angeschlossen hätte. Aber immer wieder habe ich mit einzelnen Gruppen­mit­gliedern das Gespräch gesucht, Aufgaben für die Gruppe übernommen, Vorschläge gemacht, dem einen oder anderen einen Dienst erwiesen. Am Ende der Reise stand für mich fest: Ja, es geht wirklich! Niemand ist nur Zicke oder Widerling.

  • Gehen Sie auf Ihre Mitmen­schen zu, offen und freundlich, aber nicht aufdringlich!
  • Kommen Sie mit anderen ins Gespräch, um etwas über sie zu erfahren!
  • Halten Sie Kontakt zu Bekannten und Freunden, nehmen Sie teil an ihrem Leben und lassen Sie sie an Ihrem Leben teilhaben!
  • Schärfen Sie Ihre Beobach­tungsgabe, um zu erkennen, wann Mitmen­schen Beachtung, Anerkennung, Mitgefühl, Hilfe oder auch Wider­spruch brauchen!
  • Entschärfen Sie angespannte oder gar feind­selige Situa­tionen durch Humor!
  • Versetzen Sie sich in die Lebens­si­tuation anderer und versuchen Sie von daher, Reden und Verhal­tens­weisen zu erklären!
  • Lassen Sie sich nicht auf Kumpanei ein, sondern bleiben Sie souverän!
  • Entwi­ckeln Sie Ihre Erfah­rungen mit Menschen soweit, dass Sie aus Sprache, Aussehen, Mimik, Haltung, Gang und Gebärden Rückschlüsse ziehen können; hüten Sie sich vor Vorur­teilen!
  • Bleiben Sie sich der Tatsache bewusst, dass Sie nur sich selbst, aber kaum Ihre Mitmen­schen verändern können!
  • Ziehen Sie sich nicht von den Mitmen­schen zurück, aus Angst Sie könnten verletzt werden, sondern entwi­ckeln Sie die Kraft und Stärke, Verlet­zungen zu ertragen!

Das sind nur einige der Ratschläge, die – mit Bedacht angewendet – dabei helfen können, im Zusam­men­leben mit anderen Menschen, die wir uns nicht immer aussuchen können, Enttäu­schungen zu vermeiden und in innerer und nach außen strah­lender Freude zu leben.

Auf die Steuerung der Aufmerk­samkeit achten!

Freude bekommt eine dunkle Seite, wenn sie auf Kosten anderer geht. Schaden­freude ist noch die harmlo­seste Form. Wir freuen uns über Erfolge, über Siege. Dafür nehmen wir Entbeh­rungen und Anstren­gungen auf uns. Konkur­renten müssen geschlagen, ausge­schaltet werden. Geht es da immer fair zu? Ist Fanatismus im Spiel? Wir freuen uns auch, uns etwas leisten zu können. Aber wie kommen wir dazu, so viel Geld zu haben, dass wir das, was an materi­ellen Dingen zu haben ist, uns auch kaufen können? Ist das Motiv all der Freuden an Eigentum, an Wohlstand und Reichtum nicht als Habgier und Prunk­sucht übersteigert? Ist die Freude des Besitzens nicht angefressen durch Neid auf die, die sich mehr und Teureres leisten können?

Freude kann auch perver­tieren: Spaß daran haben, seine vermeint­liche Stärke an Schwä­cheren auszu­lassen, sein schwaches Selbst­be­wusstsein geltungs­süchtig bis hin zum Sadismus zu überdecken. In den Kriegen aller Zeiten kommt mit grausamer Eindring­lichkeit zum Vorschein, wie die Organi­sation und Führung von Menschen ein Milieu hervor­zu­bringen vermögen, das Freude an menschen­ver­ach­tenden und Leben zerstö­renden Verbrechen wachruft.

Als Freuden-Killer kann auch der Gebrauch der modernen Kommu­ni­ka­ti­ons­medien wirken. Denn sie lenken unsere Aufmerk­samkeit vornehmlich auf Ereig­nisse und Handlungen, die Pech und Unglück bedeuten, Unfälle und Katastrophen zeigen, Vorur­teile und Angst hervor­rufen. Fortwährend werden wir von einer Vielzahl von Krimi­serien, Dokumen­ta­tionen, Diskus­si­ons­runden, Nachrich­ten­sen­dungen auf die Übel und Schand­taten in dieser Welt gestoßen. Wut und Ohnmacht wird in uns geweckt.

Machen Sie den Test: Fühlen Sie sich in Ihrer Stimmung nach solchen Sendungen zufrieden und froh oder eher betrübt und traurig?

Zugegeben: Ja, die Welt und die Menschen sind so. Aber wenn Sie nur noch die Negativ-Schlag­zeilen und die Bilder der Schre­ckens­nach­richten wahrnehmen, werden Sie trübsinnig, verlieren Sie den Blick für das Gute und Schöne, das Hoffnungs­volle und Befreiende, das es genauso gibt, aber das weit weniger an uns heran­ge­tragen wird.

So werden wir im Laufe der Zeit unfähig, daran mitzu­wirken, dass die Welt nicht zum Teufel geht. Wer kann schon die Leiden, die Ungerech­tig­keiten und Zerstö­rungen alle ertragen, wenn er die Sonne in seinem Leben unter­gehen lässt! Wir brauchen Vorbilder, die trotz allem Freude ausstrahlen. Mutter Theresa, die ihr Leben den Leidenden und Sterbenden widmete, hat Freude ausge­strahlt: “Das Leben ist Wonne, koste sie!”

Freude wie ein Feuer hüten!

Freude als Lebens­ein­stellung unter­scheidet sich von den kurzfris­tigen Freuden, denen wir nachjagen. Aus der flüch­tigen Freude eines guten Essens oder eines Sieges wird nie eine dauer­hafte Freude, auch wenn wir versuchen, Gaumen­freuden und Siege unablässig und möglichst dicht einander folgen zu lassen. Im Gegenteil: Wir verfetten oder heben ab. Wahre Freude kennt sowohl Hausmannskost wie Nieder­lagen. Die Spaßge­sell­schaft ist kein Weg zur Lebens­freude. Gerade sie verleitet dazu, die Freuden des Augen­blicks durch ständige Wieder­holung, Inten­si­vierung und Insze­nierung so zu perpetu­ieren, dass sie geradewegs ins Laster und in die Sucht führen.

Eine kleine Übung hin in Richtung Freude: Fügen Sie zu den folgenden Ausdrücken von Freude weitere hinzu und schreiben Sie dann zu jedem Ausdruck die Gedanken und Bilder auf, die Ihnen einfallen! Suchen Sie anschließend unter den Fotos, die Sie in Alben oder Kartons oder im PC oder auf dem Handy haben, die aus, die zu Ihren Einfällen passen! Suchen Sie zusätzlich in Zeitschriften und Büchern Artikel, Kapitel und Bilder, die Sie Freude empfinden lassen! Suchen Sie nach Bildern und Postern, die für Sie Freude ausdrücken und hängen Sie diese in entspre­chend schönem Rahmen in Ihrem Zuhause auf!

Hier die Worte der Übung:

  • Freudentanz,
  • Freuden­tränen,
  • Vorfreude,
  • Lesefreuden,
  • Wander­freuden,
  • Mutter­freuden,
  • Freuden­schrei.

Und jetzt Sie! Welche Worte mit “Freude” fallen Ihnen ein?

Seit Jahren steigen die Schei­dungs­raten. Nach den Freuden roman­ti­scher Zweisamkeit heißt es: Wir haben uns ausein­ander gelebt. Und viele wissen nicht einmal warum. Es könnte daran gelegen haben, dass man der Freude aufgrund abträg­licher Verhal­tens­weisen nach und nach das Tischtuch entzogen hat. Denn es kribbelt nur am Anfang ganz von allein, danach müssen beide liebevoll darauf achten, dass die Freuden der Gemein­samkeit erhalten bleiben. Das verlangt Kreati­vität und Dynamik, entspre­chend den sich ändernden Lebens­si­tua­tionen.

Konsu­men­ten­ver­halten – aussuchen, kaufen, benutzen, entsorgen – taugt nicht für die dauer­haften Freuden des Lebens. Wer die Freuden einer Partner­schaft erhalten will, sollte zunächst beher­zigen: Nicht nach dem Splitter im Auge des anderen suchen und den Balken im eigenen Auge übersehen. Ein paar Ratschläge:

  • Ihr Partner ist nicht Ihr Besitz. Ersetzen Sie Eifer­sucht durch Liebe!
  • Nehmen Sie Ihren Stolz und Ihr Ehrgefühl zurück!
  • Nutzen Sie Ihre Beziehung nicht zur Steigerung Ihres Prestiges bei Kollegen und Freunden!
  • Machen Sie Ihren Partner nicht zur Müllhalde für Ärger, Missmut und Enttäu­schungen!
  • Seien Sie auf der Hut vor Missver­ständ­nissen!
  • Versuchen Sie nicht, in jeder Suppe ein Haar zu finden, das Sie auch noch spalten!
  • Seien Sie nachsichtig und nicht recht­ha­be­risch!
  • Entwi­ckeln Sie ein Gefühl dafür, wann für was der richtige Zeitpunkt ist!
  • Stellen Sie Ihren Partner nicht bloß, wenn ihm Fehler unter­laufen!
  • Wenn Ihr Partner Ihnen nicht zu Gefallen ist, erpressen Sie ihn nicht: Wenn Du mich noch lieben würdest …!

Freude hat Voraus­set­zungen. Es liegt an Ihnen, immer mehr Gründe zur Freude zu schaffen. Ihr Tagebuch ist dazu das “Werkstattbuch”.

 

Es gibt die Hoffnung auf ewige Freude!

Die Unvoll­kom­menheit und Vergäng­lichkeit der Welt lassen der Freude immer nur vorläu­figen Charakter. Oft endet sie in Enttäu­schung, stellt sich als Fehlein­schätzung heraus, als Wunsch­denken, als Selbst­betrug. Und doch machen wir uns immer wieder Hoffnung darauf, dass alles besser wird, dass wir Grund zur Freude haben werden. Wir sehnen uns nach einer heilen Welt, nach Freiheit, Frieden, Gerech­tigkeit, nach Liebe, die nicht enttäuscht wird. Nach all dem haben wir Sehnsucht, obwohl wir wissen, dass ihre Erfüllung in dieser Welt und in unserem Leben nur unvoll­kommen oder gar nicht Wirklichkeit werden wird.

Wenn wir uns aber die Freuden der Vollkom­menheit vorstellen können, wir uns danach sehnen, deutet das denn nicht – so die Denker der großen Religionen – auf eine Welt jenseits des Todes hin, in der die ganze verhee­rende Unzuläng­lichkeit des Diesseits ein für allemal, also in Ewigkeit aufge­hoben ist? Ewige Freude! Ist das nicht unsere Hoffnung und unser Trost?

Wenn es diese Welt der ewigen Freude gibt – niemand kann beweisen, dass es sie nicht gibt – und wenn alle Freuden dieser Welt nur vorläufig sein können und darauf verweisen, dass unsere Sehnsüchte zielge­richtet sind, wie sollten wir dann unser Leben gestalten, um dieser Freude auch teilhaftig zu werden?

  • Versetzen Sie sich hin und wieder in Gedanken an das Ende Ihres Lebens und fragen Sie sich: Habe ich der Freude in meinem Leben Geltung verschafft?
  • Verstehen Sie Ihr Leben als von Ihnen selbst bestimmte Einheit und nicht als Stückwerk aufgrund äußerer Einflüsse!
  • Lesen Sie Biogra­phien, analy­sieren und bewerten Sie die beschrie­benen Lebenswege!
  • Fragen Sie sich, welches Beispiel Sie anderen Menschen mit Ihrem Leben geben!
  • Denken Sie über den Satz nach “Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst”!
  • Finden Sie den Sinn der Feste heraus, an denen Sie teilnehmen! Warum feiern Sie Weihnachten?
  • Leisten Sie sich ein Sabbatjahr und verbringen Sie es in der sogenannten Dritten Welt!
  • Machen Sie Kloster­urlaub!
  • Lesen Sie allein, aber auch mit Ihrem Partner und gelegentlich mit Freunden in der Bibel!
  • Pilgern Sie allein den Jakobsweg!

Das sind nur ein paar Anregungen. Worauf es ankommt: Zu einem Menschen werden, der die Vorfreuden des Lebens zu schaffen und zu genießen versteht, weil er um die ewigen Freuden weiß. Mutter Theresa: “Das Leben ist eine Chance, nutze sie!”

Paul Halbe: Jeder sein eigener Unternehmer

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