Die Basis aller Leistungsfähigkeit:
Konzentration und Gedächtnis

In mehr und mehr Berufen wird die Konzen­tra­ti­ons­fä­higkeit zu einem entschei­denden Leistungs­kri­terium. Aber auch im Privat­leben ist zunehmend höchste Aufmerk­samkeit notwendig, um in der Komple­xität des Lebens­um­felds nicht unter­zu­gehen. Nur so können die Risiken beherrscht werden und lassen sich Ziele erreichen. Das Erinne­rungs­ver­mögen muss hinzu­kommen. Nicht um als Gedächtnis-Akrobat auftreten zu können, sondern um handlungs­fähig zu sein.

Welche Auswir­kungen mangelnde Konzen­tration hat, wird besonders in vielen Sport­arten an den unmit­tel­baren Folgen deutlich. Die kleinste Unacht­samkeit – und schon sind die über Sieg und Niederlage entschei­denden Sekun­den­bruch­teile verloren, ist die Torchance vertan, bringt ein Sturz das Aus. Gedanken, Sinne, Gefühle, Bewegungen total auf etwas ausrichten und die ganze übrige Welt um sich herum vergessen – wer das nicht kann, dem werden mehr Fehler unter­laufen als demje­nigen, der das schafft. Grund genug, seine Konzen­tration und sein Gedächtnis zu verbessern.

Lesen Sie den folgenden Text laut, richtig laut, so als säße vor Ihnen Publikum:

„Die wichtigste Fähigkeit, um aus dem Wissen, den Einsichten und Erfah­rungen anderer Menschen für sich Nutzen zu ziehen, ist das Lesen! Die Weisheit der Menschheit schlägt sich in Schriften nieder. Wir müssen nicht alles am eigenen Leib erfahren, das Rad neu erfinden, die Fehler der Altvor­deren von Generation zu Generation wieder­holen, sondern wir können durch Lesen uns ‚klug machen‘, Anregungen und Rat holen, Lehren ziehen und Vergleiche anstellen.

Die geschrie­benen oder gespro­chenen Gedanken anderer aufzu­nehmen, verlangt Interesse und Konzen­tration. Um Nutzen ziehen zu können, muss man für das Thema aufge­schlossen sein und die Ausfüh­rungen verstehen können. Aktives Zuhören in einer Gesprächs­runde drückt in Mimik und Gestik aus, dass man bei der Sache ist.

Aber das gespro­chene Wort ist flüchtig. Auch wenn man sich beispiels­weise beim Hören eines Vortrags Stich­worte notiert hat, ist oft das Bedürfnis da, das Manuskript anschließend zu erhalten, um das Gesagte noch einmal nachlesen zu können.

Beim Lesen hat man zwar nicht das rheto­rische Erlebnis eines fesselnden Redners, aber es gibt die Chance, die geistige Substanz auszu­schöpfen und sich mit ihr ausein­an­der­zu­setzen: Aktives Lesen.

Kein Versprecher? In einem Schwung durch­ge­lesen? Ohne zu stottern? Ist Ihnen das laute Lesen so geglückt, als wären Sie Sprecher – sagen wir – bei der „Tages­schau“? Nein? Dann lesen Sie so lange laut, bis es ohne Fehler und in einem Fluss geklappt hat! Nehmen Sie einen Freund dazu, der das Ganze auf Tonträger aufnimmt, so dass Sie Ihre „Lesung“ anschließend selbst­kri­tisch abhören können. Bitten Sie Ihren Freund um Feedback!

Aktives Lesen

Die Substanz des Textes per Hand mit einem Bleistift durch Unter­streichen oder Umkreisen markieren, am Rand durch einen oder mehrere Striche oder Ausru­fe­zeichen die Bedeutung der markierten Aussagen gewichten. Seien Sie dem Text gegenüber ‚respektlos‘: Gehen Sie mit dem Bleistift ‚rücksichtslos‘ dazwi­schen, egal wer der Autor ist! Wenn es sich um ein bedeut­sames Buch handelt, das Sie nicht verschandeln wollen, machen Sie sich vorher eine Kopie für Ihre Markie­rungen! Dann auf einem Begleit­zettel, auf dem der Ort von Markierung und Gewichtung festge­halten ist, eigene Einsichten und Erfah­rungen hinzu­fügen sowie den Nutzen für das persön­liche Denken, Reden und Handeln formu­lieren.

Schreiben Sie Ihre Einsichten und Erfah­rungen zu den Markie­rungen so auf, wie sie Ihnen in den Sinn kommen. Ihrer Erinnerung nachhelfen können Sie durch einen Blick auf Ihr Bücher­regal, Ihren Zeitungs­ständer und Ihre ausge­druckten Inter­net­texte. Dort müsste einiges von dem zu finden sein, was Sie sich im Lauf der Zeit an Wissen angeeignet haben. Welche Bücher, beispiels­weise Ratgeber und Biografien, nehmen Sie von Zeit zu Zeit zur Hand? Welche Zeitungen und Zeitschriften haben Sie abonniert? Welche Artikel von welchen Autoren zu welchen Themen sammeln Sie? Haben Sie ein Archiv?

Während meiner Studi­enzeit habe ich damit begonnen, Gelesenes nach dem Markieren in einer Kurzfassung (Abstract) festzu­halten und danach alles hinzu­zu­fügen, was mir dazu einfiel. Schließlich habe ich mir notiert, welchen Fragen ich im Zusam­menhang mit dem Thema weiter nachgehen, was ich als Schluss­fol­gerung im Kopf behalten und was ich gegebe­nen­falls unter­nehmen wollte.

Konzen­tration beim Lesen heißt: genau hinsehen!

Im folgenden Text, der das Vorgehen des Aktiven Lesens näher beschreibt, sind einige Worte falsch geschrieben und fehlen Satzzeichen oder sie stehen an der falschen Stelle. Finden Sie die Fehler heraus!

>Die Worte oder passagen an denen sich die Substanz des Textes festmacht kann man mehr oder weniger diffe­ren­ziert durch Marki­rungen kennzeichnen. Geht man weniger Diffe­ren­ziert vor, dann unter­streicht man nur die Worte und Textpa­sagen, die einem wichtig erscheinen Wer einen text ausführlich, aufar­beiten will der unter­scheidet zwischen Sachaus­sagen und Meinungs­äus­se­rungen, zwischen Passagen, denen er aus eigener Einsicht und Erfarung zustimmt, und solchen, die ihm neu sind oder mit denen er nicht überein­stimmt, zwischen Passagen die Fragen und Zweifel aufwerfen, und solchen, die auf Anhieb überzeugen, zwischen Passagen, die ihn unmitelbar betreffen, und solchen, die ihm fern liegen, zwischen Passagen zu denen ihm sofort Beispiele einfallen, und solchen, die er in seinen Erfah­rung­ho­rizont nicht einordnen kann Entspre­chend diffe­ren­ziert müssen die Markie­rungen ausfallen: Unter­strei­chungen mit Farbstiften, Einrahmun-gen als Ellipen und Rechtecke, Zahlen­codes – wie auch immer, es muss eindeutig und konse­quent sein. An den Rand, werden alle Assozia­tionen geschrieben, die Einem in den Sinn kommen Das sind Erleb­nisse, ergän­zende Fakten, Beispiele, eigene Meinung, Hinweise, Fragen, weiter-führende Stich­worte, Namen und und und<

Textstellen, bei denen ein Satzzeichen fehlt oder falsch gesetzt ist, fallen einem auf, wenn man sich die Satzkon­struktion klar macht: Subjekt, Prädikat, Objekt, Hauptsatz, Nebensatz, Aufzäh­lungen etc. Sowohl die Satzzeichen als auch die Groß- und Klein­schreibung dienen dem besseren Verständnis eines Textes. Das Verstehen von Texten wie das Schreiben von Texten verlangen den korrekten Gebrauch der Sprache. Hat man Zweifel, sollte man konse­quent immer im Duden oder anderswo nachsehen.

Es gibt eine Fülle von Konzen­tra­ti­ons­übungen. Anlei­tungen dazu gibt es in Buchform und im Internet. Jeder sollte sich sein eigenes „Fitness­pro­gramm“ zusam­men­stellen. Es ist sinnvoll, bei der Auswahl der Übungen darauf zu achten, vom Inhalt her sich nützliche Aufgaben auszu­suchen. Dann hat man doppelten Gewinn: Verbes­serung der Aufmerk­samkeit und Vermehrung seines Wissens.

Der Fundus unseres Wissens und unserer Erfah­rungen

Wir lernen nicht nur durch Lesen und Schreiben. Aber wer nur durch das gespro­chene Wort lernt oder gar sich vorwiegend auf eigenes Erleben, aufs Beobachten und Nachahmen beschränkt, kann nicht in die komplexen Gesell­schaften unserer Zeit hinein­wachsen. Unzuläng­liches Lesen und Schreiben drängt Menschen ab in die Grenz­be­reiche unserer Gesell­schaft. Wer als junger Erwach­sener feststellt, dass er Sprach­de­fizite hat, sollte seine Lücken schließen. Sonst gerät er schnell ins gesell­schaft­liche Abseits.

Texte sind Trans­port­mittel für Infor­ma­tionen und Meinungen. Wir lesen Zeitungen, sehen und hören Fernseh­nach­richten, um Neuig­keiten zu erfahren, um zu wissen, was in der Welt los ist, um die Einstellung anderer zu den Ereig­nissen und Vorgängen des Zeitge­schehens mitzu­be­kommen.

Da wir bestimmtes Vorwissen und auch eine eigene Meinung haben, sortieren wir das, was wir an Inhalten aufnehmen, in die schon bei uns vorhan­denen Wissens- und Meinungs­be­reiche ein. Erfasst wird dabei vornehmlich das, was uns inter­es­siert und unseren Vorur­teilen entspricht. Unser Interesse und unsere Meinung steuern unsere Aufmerk­samkeit, unsere Konzen­tration und unser Gedächtnis.

Ein gutes Gedächtnis braucht wache Sinne. Neben dem ständigen Training der Konzen­tration muss daher mit gleicher Inten­sität das Gedächtnis fit gehalten werden. Das Gedächtnis hält die Werkstücke des Wissens und der Erfahrung bereit, die man bei der konzen­trierten Bewäl­tigung seiner aktuellen Aufgaben braucht.

Die meisten Menschen haben ein an Bildern orien­tiertes Gedächtnis. Man unter­scheidet das Kurzzeit­ge­dächtnis vom Langzeit­ge­dächtnis. Die Gehirn­for­schung hat in den letzten Jahren viel Licht in die Voraus­set­zungen und Funkti­ons­weise der organi­schen Ausstattung für das mensch­liche Denken gebracht. Das hilft, die gegebenen Poten­tiale besser zu erkennen und in der Methodik angepasst zu nutzen.

Unser Gedächtnis macht uns handlungs­fähig

Zu welch außer­ge­wöhn­lichen Wahrneh­mungs­leis­tungen die einzelnen Sinne entwi­ckelt werden können, zeigen Menschen, bei denen der eine oder andere Sinn beein­trächtigt ist oder ausfällt, so dass er durch andere Sinne kompen­siert werden muss. Gute Wahrneh­mungs­fä­hig­keiten korre­spon­dieren mit einem guten Gedächtnis. Unsere Wahrneh­mungen werden im Gehirn verar­beitet; abgespei­chert im Gedächtnis, werden sie für uns Orien­tie­rungs­ho­rizont und zur Voraus­setzung von Aktionen.

Was an Kennt­nissen und Fertig­keiten nicht durch ständigen Einsatz unmit­telbar verfügbar ist, muss für den erfor­der­lichen Fall, wenn nicht abruf­bereit, so doch schnell aufzu­fri­schen oder zu erschließen sein. Neue Aufgaben müssen aufgrund des vorhan­denen Wissens- und Erfah­rungs-Fundus von einem möglichst hohen Niveau aus angegangen werden können. Dieses hohe Niveau zu schaffen und zu erhalten, gelingt nur durch ständiges Trainieren.

Beispiel Fremd­sprachen. Der Mutter­sprache verwandte Sprachen sind relativ leicht zu erlernen, weil vieles ähnlich ist. Je besser die Mutter­sprache beherrscht wird, umso schneller findet man in die andere Sprache. Schwie­riger ist es, wenn die Fremd­sprache kaum Verwandt­schaft mit der Mutter­sprache hat. Aber selbst beim Erlernen einer solchen Sprache fängt niemand bei Null an. Denn es gibt in jedem Sprachraum dieselben Grund­phä­nomene mensch­licher Existenz wie etwa Essen und Trinken. Je besser einer sich die zivili­sa­to­ri­schen und kultu­rellen Gegeben­heiten seines eigenen Sprach­raums erschlossen hat, um so eher findet er sich auch in einem fremden Sprachraum zurecht.

Was auch immer man anstellt, um seinen Handlungs­spielraum zu entwi­ckeln und auszu­weiten – zunächst kommt es darauf an, Grund­fä­hig­keiten zu erwerben und sie präsent zu halten. Für Künstler und Leistungs­sportler ist es selbst­ver­ständlich, dass sie täglich Pflicht­übungen zu absol­vieren haben. Das gilt im Grunde für alle Menschen. Erst die Pflicht, dann die Kür!

Können Sie sich auf Ihr Gedächtnis verlassen?

Eine kleine Geschichte: „Winter­ro­mantik. Wohlige Wärme verströmt die Glut des Feuers. Am Eingang der Höhle glitzern Eiszapfen in der Sonne. In der heime­ligen Bettstatt lösen sich zwei Liebende vonein­ander. Das Sonnen­licht lockt ins Freie. Raus aus den Daunen, hinaus ins gleißende Licht. Sie recken ihre Arme der Sonne entgegen. Werfen sich in den Schnee, der wegstaubt. Auf der Biberburg drüben nehmen sie ein Sonnenbad. Dann stapfen sie durch den lichten Wald, besuchen den Bär und necken den Elch. Zurück in ihrer Winter­höhle entfachen sie erneut das wärmende Feuer. Den Eingang verschließen sie mit Eisblöcken. Gelbrot schimmert der Hügel aus Eis und Schnee in der Nacht. Leiser Gesang kündet von Liebe und Glück. Schneefall setzt ein und überdeckt die Spuren des Tages. Ein einsamer Wolf wittert das Winter­glück und heult in die Nacht.“

Decken Sie den Text ab oder schieben Sie ihn zur Seite. Schreiben Sie spontan alle Worte auf, die Sie behalten haben. Bringen Sie die Worte in die Reihen­folge der Geschichte.

  • Welche Gefühle weckt die Geschichte in Ihnen?
  • Haben Sie den Text vor Augen?
  • Welche Worte verbinden sich mit welchen Bildern?
  • Schreiben Sie die Geschichte als Nacher­zählung auf!
  • Vergleichen Sie Ihre Nacher­zählung mit dem Origi­naltext.

Kopieren Sie nun den Text und gestalten Sie ihn in Ihrem Computer. Wählen Sie dazu eine zur Geschichte passende Schrifttype und eine Schrift­größe, die Ihnen zusagt. Weitere Gestal­tungs­mittel: Farbgebung der Schrift, Absätze, Hervor­he­bungen etc.

Wenn Sie den Text gestal­te­risch aufbe­reitet haben – lernen Sie ihn auswendig! Satz für Satz. Vor jedem neuen Satz die schon gelernten Sätze wieder­holen. Schwingen Sie in den Gefühlen, die von der Geschichte in Ihnen ausgelöst wurden. Schwelgen Sie in den Bildern, die Sie zu den Worten sehen.

Markieren Sie die Worte, die sich nicht so leicht einprägen. Ziehen Sie das mindestens bis zum Wort „wegstaubt“ durch. Leicht, locker und ausdauernd. Na? Geht doch!

Wie Sie den Schwie­rig­keitsgrad steigern

Werbe­texte werden mit allen Mitteln grafi­scher Gestaltung aufbe­reitet, damit wir sie ohne Anstrengung behalten. Warum sollte man nicht mit den gleichen Mitteln sein Gedächtnis trainieren? So kann das Auswen­dig­lernen zum Spaß werden. Suchen Sie sich Texte, die Sie aufbe­reiten und dann auswendig lernen wollen. Neben längeren Texten, die sie in Ihrem Gedächtnis gerne griff­bereit haben möchten, legen Sie sich auch eine Sammlung von Sprich­wörtern und Zitaten an. Machen Sie das zum wöchent­lichen Trainings­pro­gramm für Ihr Gedächtnis.

Von Zeit zu Zeit muss man Gelerntes auch wieder­holen. Sonst verblasst es. Dazu ist heraus zu finden, wie lange ein gelernter Text im Gedächtnis präsent bleibt. Dann weiß man, wann aufzu­po­lieren ist.

Es gibt unter­schied­liche Schwie­rig­keits­grade beim Auswen­dig­lernen. Gedichte mit Versmaß und Reimen aus einem Buch durch lautes passa­gen­weises und wieder­ho­lendes Lesen sich “reinziehen”, das ist die einfachste Übung. Etwas schwie­riger ist es ohne lautes Lesen. Schwierig wird es, wenn das Gedicht nicht über eine schrift­liche Vorlage aufge­nommen wird, sondern von einem Tonträger. Auch hier kann man laut nachsprechen oder nur in Gedanken.

Weitere, den Schwie­rig­keitsgrad steigernde Formen der Übung “Auswen­dig­lernen” sind: Prosa­texte – kein Versmaß, kein Reim – still, nur mit den Augen lesend, sich aneignen; Liedtexte von einem Tonträger nur durch Hören; lange, kompli­zierte Hörbuch­texte. Sobald man den Text im Kopf hat, immer wieder ohne Buch oder Tonträger das Gelernte stumm vor sich hin “abspulen”. Wenn er richtig sitzt, ihn mit Gestik und Mimik sowie rheto­ri­scher Sprach­ge­staltung wie ein Schau­spieler laut sprechen. Dazu eine Situation gestalten: vor dem Spiegel, sich selbst erlebend, oder vor Freunden.

Befassen Sie sich mit Bildmedien!

Aber nicht nur die Sprache hat Bedeutung für unsere Kommu­ni­kation, sondern heute mehr denn je die Bildmedien, vielfach mit Sprache kombi­niert. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Bilder haben den Anschein des unmit­tel­baren Reali­täts­bezugs für sich, gelten als authen­tisch – und sind doch wie Worte manipu­lierbar.

Es dient der Verbes­serung der Konzen­tration und des Erinne­rungs­ver­mögens gleicher­maßen wie dem besseren Verständnis der Inhalte von audio­vi­su­ellen Medien wie Filmen und Fernseh­sen­dungen, wenn man sein Training auch auf solche Trans­port­mittel von Infor­ma­tionen und Meinungen ausdehnt. Beginnen Sie mit der Analyse von Videos, die Sie aus dem Internet herun­ter­laden.

  • Welche Bildmotive werden verwendet?
  • Wie werden die Motive ins Bild gesetzt? Ausschnitt? Blick­winkel? Bewegungen des Motivs? Kamera­be­we­gungen?
  • Wie ist die Bildfolge zusam­men­ge­stellt, geschnitten?
  • Wie werden die Bilder kommen­tiert?
  • Zu welchen Bildern werden keine Infor­ma­tionen gegeben?
  • Welche Geräusche sind zu hören? Welche Musik ist unterlegt? Welche Stimmungen werden durch die Musik und die Geräusche erzeugt?

Und ganz wichtig: Was bekommt man nicht zu sehen und zu hören? Auf den Inhalt bezogen findet man Wegge­las­senes nur heraus, wenn man sich im Thema auskennt. Aber wann ist das schon der Fall? Also muss man die Stellen erkennen, die den Verdacht wecken, es könnte etwas Wichtiges fehlen: aufge­worfene aber nur teilweise beant­wortete Fragen; Hinweise, die nicht weiter verfolgt werden; Fakten, die Zweifel wecken; Behaup­tungen, die nicht belegt werden; Wider­sprüche in der Argumen­tation; einseitige Argumen­tation.

Auch aus der Gestaltung ergeben sich Ansatz­punkte: Passen Bild und Ton zusammen? Ist die geäußerte Meinung als solche zu erkennen oder wird sie im Stil der Darstellung von Fakten mitge­teilt? Welche Gefühle werden absichtsvoll mit den Bildern und mit der unter­legten Musik ausgelöst?

An die Analyse sollte sich eine Auswertung anschließen, in der neben anderem die Glaub­wür­digkeit überprüft wird, offene Fragen gesammelt werden und die Schlüs­sigkeit der Bildbelege festge­stellt wird.

Das gezielte Training von Konzen­tration und Gedächtnis mag anfangs ungewohnt sein, vielleicht auch einige Überwindung kosten. Das ist nicht anders wie bei Klavie­re­tüden oder den Aufwärm- und Dehnungs­übungen im Sport. Lässt man sich nicht beirren, so wird man nach einiger Zeit den Zugewinn an geistiger Fitness feststellen – und dann macht es sogar richtig Spaß.

Paul Halbe: Jeder sein eigener Unternehmer

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