Das Fitness-Center eigener Lebensgestaltung: Selbstmanagement

Lebens­tüchtig ist, wer sein Leben in eigener Regie gestalten kann. Dazu muss man sowohl seine geistigen Fähig­keiten wie auch seine charak­ter­lichen Eigen­schaften weiter entwi­ckeln und ständig verbessern. Wie beim Schwimmen: Wenn man innehält, geht man unter. Oder beim Radfahren: Man stürzt. Wer sein Leben als selbst­ver­ständ­liche Vervoll­kommnung führt, gewinnt Freude, innere Ruhe und Gelas­senheit. Denn er hat zu sich selbst gefunden.

Leben Sie fremd­be­stimmt?

Zu den häufigsten Ursachen mangelnder Arbeits­mo­ti­vation gehört ein Betriebs­klima, das Fremd­be­stimmung, also Befehl und Gehorsam, zum Führungsstil erhoben hat. Zu einem solchen Führungsstil tragen Mitar­beiter bei, die zwar auf ihre fachliche Quali­fi­kation achten, aber ansonsten meinen, in das Unter­nehmen, das sie beschäftigt, brauche man sich nicht weiter einzu­bringen. Welche Arbeits­ein­stellung halten Sie für richtig, welche für falsch?

Der Chef soll sagen, wo es lang geht.
Dafür ist er der Chef.

Ich bilde mir zu allem meine eigene Meinung. Von meinem
Vorge­setzten erwarte ich, dass er mich danach fragt.

 Für meine Arbeit brauche
ich Selbstän­digkeit.

Man kann nicht über alles disku­tieren.
Einer muss das Sagen haben.

Nicht nur die Arbeitswelt muss in ihren Abläufen organi­siert werden, sondern auch das Privat­leben. Was würden Sie sagen:

Es geht nicht ohne die Organi­sation
der Einkäufe, der Mahlzeiten,
des Sauber­ma­chens und so weiter, wenn man
ein Chaos vermeiden will.

Es kommt zu Missver­ständ­nissen und
Zerwürf­nissen mit Partnern und Freunden,
wenn nicht ausrei­chend mitein­ander
geredet und Abmachungen getroffen werden.

Zuver­läs­sigkeit und die
Übernahme
von Verant­wortung sind
unerlässlich
für dauer­hafte Bezie­hungen.

Wenn im Leben ein Mindestmaß an Organi­sation sowohl am Arbeits­platz wie zuhause unerlässlich ist, wie betei­ligen Sie sich daran?

Ich plane meine Hausarbeit und
spreche sie
mit den anderen Mitgliedern
des Haushalts ab.

Ich mache die Arbeiten, die ich
übernommen habe, zugege­be­ner­maßen
erst dann, wenn sie sich
nicht länger aufschieben lassen.

Fehler und Versäum­nisse kann ich
anderen gegenüber
nur schwer einge­stehen.

Wir haben zuhause eine
festge­legte Arbeits­teilung.
Jeder macht seine Arbeit
zu einer bestimmten Zeit. 

Haben Sie Nachhol­bedarf?

Welche beruf­lichen Chancen Sie in Ihrem Leben haben, hängt zu einem großen Teil von Ihrer Ausbildung ab. Viele merken erst als Erwachsene, dass sie im Beruf eher Aufstiegs­chancen hätten, die ihren Vorstel­lungen entsprechen, wenn sie die Schule nicht “geschmissen”, wenn sie ihre Lehre oder ihr Studium nicht abgebrochen hätten. Wenn Sie aufgrund Ihrer zu geringen Ausbildung nicht den Job haben, den Sie sich wünschen, wo sehen Sie die Gründe dafür? Gehen Sie die nachfol­genden Aussagen durch und schreiben Sie rechts daneben, ob das “stimmt” oder “nicht stimmt”! Ergänzen Sie die State­ments anschließend mit eigenen State­ments!

Ich war in meiner Kindheit und Jugend
weitgehend mir selbst überlassen. Meine Eltern
waren beide berufs­tätig.

Die Mehrzahl meiner Lehrer hat keinerlei Lust
zum Lernen in mir geweckt.

Als Lehrling bezie­hungs­weise Auszu­bil­dender
hat man mich nur ausge­nutzt.

In meinem bishe­rigen Leben wurde ich
nur herum­ge­schubst, missachtet oder gar
abgelehnt.

Leider habe ich keine Freunde gehabt.

Welche Erfah­rungen haben Sie mit sich gemacht?

Um seinen Platz im Leben zu finden, muss man wissen, was man will. Damit das reali­sierbar ist, muss man seine Begabungen und Fähig­keiten kennen. Aber wer weiß das schon? Viele Menschen kennen sich nur aufgrund der Reaktionen seitens anderer Menschen. Das sind zwar wichtige Infor­ma­tionen, die einem sagen, wie einen andere erleben. Aber wer nicht rumge­schubst werden will, der muss sich selbst entdecken, der muss heraus­finden, was in ihm steckt. Um als junger Mensch Erfah­rungen mit sich zu sammeln, sollte man in der Schule so gut sein, dass man noch Zeit hat,

  • Sport zu betreiben und/oder
  • ein Musik­in­strument zu spielen und/oder
  • selbständig organi­sierte Reisen zu machen und/oder
  • mit kleinen Jobs eigenes Geld zu verdienen.

Das sollte man aus eigenem Antrieb tun und nicht, weil die Eltern einen dazu drängen. Mit spätestens 20 sollte man das Elternhaus verlassen, sonst wird es zum Hotel Mama.

Welche Erfah­rungen haben Sie mit sich gemacht?

  • Wenn mich etwas inter­es­siert, kann ich sehr zielstrebig sein.
  • Ich kann mich gut allein beschäf­tigen.
  • Mir macht nur Spaß, was ich mit Freunden gemeinsam tun kann.
  • Jede Art von Sport mache ich gerne.
  • Sobald ich einen Zusam­menhang durch­schaut habe, suche ich eine neue Heraus­for­derung.

Kennen Sie Ihre Stärken und Schwächen?

Eine hervor­ra­gende Methode, sich selbst zu erkennen, ist das Schreiben eines Tagebuchs. Einfach jeden Abend aufschreiben, was einem im Laufe des Tages wider­fahren ist, welche Gedanken einem gekommen sind, wann man sich gut gefühlt hat, wann schlecht, was einem geglückt ist, was Freude bereitet hat. Wer Tagebuch schreibt, findet ganz von allein heraus, wo seine Stärken liegen, wo seine Schwächen, welche Begabungen er hat, und welche Handicaps, womit er sich gerne beschäftigt und womit er nicht zurecht kommt. Kapitel 9 dieses Buches: Dialog mit sich selbst, das Tagebuch.

Wenn man die Schule verlässt, hat man – wie schon viele vor einem – nur wenig Ahnung davon, welche Berufs­mög­lich­keiten man aufgrund seiner Begabungen und Fähig­keiten hat. Es hängt bei den meisten jungen Menschen dann eher von Zufäl­lig­keiten ab, in welcher Richtung sie eine Ausbildung suchen. Die meisten stolpern mehr in die Welt, als dass sie zielstrebig eine Laufbahn einschlagen. Das kann zum Abbruch einer Ausbildung führen, wenn die notwen­digen Voraus­set­zungen nicht vorhanden sind bezie­hungs­weise nicht recht­zeitig entwi­ckelt wurden.

Um nicht auf ein falsches Gleis zu geraten, wenn man unsicher ist, welche beruf­lichen Möglich­keiten man hat, ist es ratsam, einen Eignungstest zu machen. Psycho­logen haben mittler­weile Verfahren entwi­ckelt, mit deren Hilfe man heraus­finden kann, wozu man die geeig­neten Voraus­set­zungen mitbringt. Das sollte man nutzen, bevor man beispiels­weise ein Studium beginnt, das vor allem abstraktes Denken verlangt, obwohl man ein mehr praktisch veran­lagter Typ ist.

Können Sie ausrei­chend gut lesen und schreiben? Wirklich?

Viele Menschen, die mit ihrem Leben unzufrieden und der Meinung sind, im Vergleich mit anderen Menschen zu kurz gekommen zu sein, werden ihr ganzes Leben lang unzufrieden bleiben, wenn sie nicht zu der Einsicht finden, dass sie sich selbst ändern müssen, bevor sich ihre Lebens­um­stände ändern. Um sich selbst ändern zu können, muss man ausrei­chend lesen und schreiben können. Diese in den ersten Schul­jahren erwor­benen Fähig­keiten muss man nutzen, und zwar unablässig.

Lesen ist nicht gleich Lesen. Um das, was man liest, bestmöglich für sich zu nutzen, muss man den Inhalt eines Textes intensiv ausschöpfen können. Wie das geht, können Sie unter “Aktives Lesen” nachlesen. Schreiben mit der Hand haben viele nach der Schulzeit verlernt. Um eine gewisse Ordnung in sein Tun und Handeln zu bekommen, ist es nützlich, diese Grund­fä­higkeit persön­lichen Ausdrucks zu reakti­vieren. Für Ihr Selbst­ma­nagement brauchen Sie Ihre Handschrift!

Selbst­ma­nagement beginnt mit Zeitplanung. “Nur wer Herr über die Verwendung seiner Zeit ist, hat die notwendige Freiheit, um seine Ziele zu erreichen. Erwachsen werden heißt, selbständig über seine Zeit verfügen. Selbständig sein heißt nicht, in den Tag hinein leben, sondern selbst­ver­ant­wortlich entscheiden, wozu man seine Zeit nutzt.” Kapitel 5 dieses Buches: Der Einstieg ins Selbst­ma­nagement: Zeitplanung.

Wie schätzen Sie sich ein?

Unter­streichen Sie in der folgenden Aufstellung gegen­sätz­licher Begriffe und Aussagen dieje­nigen, mit denen Sie sich selbst kennzeichnen wollen, und streichen Sie dieje­nigen durch, die nicht auf Sie zutreffen!

  • Pechvogel oder Glückspilz,
  • selbst­be­stimmt oder fremd­be­stimmt,
  • satter Sklave oder freier Mensch,
  • geregelte Arbeitszeit oder rund um die Uhr,
  • keine Fragen stellen oder den Dingen auf den Grund gehen,
  • dumm gelaufen oder besser vorbe­reiten,
  • da kann man nichts machen oder das wäre doch gelacht,
  • unzufrie­dener Nörgler oder lebens­froher Unter­nehmer,
  • wagemutig oder risiko­scheu.

Stellen Sie die neun Beschrei­bungen, die Sie unter­strichen haben, als Liste zusammen!

Welche Menschen gibt es, von denen Sie sagen würden: Die Leute kennen mich ziemlich gut. Wählen Sie drei davon aus! Notieren Sie mit “Ja” und mit “Nein” auf der Liste, wer von den Dreien nach Ihrer Vermutung den Formu­lie­rungen, die Sie sich zugeordnet haben, zustimmt und wer nicht. Gehen Sie für jeden einzelnen der Drei die Liste durch! Und wo auf der Liste würde Ihr Chef “Ja” bezie­hungs­weise “Nein” dahinter schreiben? Notieren Sie auch das! Und die Mehrheit Ihrer Kollegen? Wenn Sie in einer Partner­schaft leben, disku­tieren Sie mit Ihrem Partner Ihre Liste und warum wer was – gemäß Ihren Mutma­ßungen – mit “Ja” oder “Nein” gekenn­zeichnet hat.

Sind Sie ein freier Mensch?

Wer in seinem Leben zu möglichst viel Selbst­be­stimmung gelangen will, muss seine Entwick­lungs­mög­lich­keiten realis­tisch einschätzen. Wenn die Karrie­re­mög­lich­keiten wegen mangelnder Quali­fi­ka­tionen einge­schränkt sind, muss man prüfen, welche Quali­fi­ka­tionen mit welchem Aufwand nachgeholt werden können. Es gibt Arbeits­felder, die ohne jeden Quali­fi­ka­ti­ons­nachweis für jedermann zugänglich sind. Jeder kann Politiker oder Unter­nehmer werden. Allein der Erfolg bei den Wählern bezie­hungs­weise den Käufern entscheidet! Und nicht Prüfungen, Diplome oder Zerti­fikate. Beispiel: Joschka Fischer. Oder Bill Gates.

Um sich selbst zu quali­fi­zieren, muss man zu seinem eigenen Unter­nehmer werden. Als Ihr eigener Unter­nehmer müssen Sie sich zuhause Ihren persön­lichen Arbeits­platz schaffen. Heimwerker haben ihre Keller-Werkstatt, Freizeit­künstler ihr Atelier im ausge­bauten Dachge­schoß und Hobby­sammler zumindest einen Platz im Wohnzimmer. Selbst­ma­nagement entwi­ckelt sich aus der Überzeugung, ein freier Mensch zu sein, der fähig ist, für sich und sein Schicksal die Verant­wortung zu übernehmen. Lebens­tüch­tigkeit muss jedoch bewiesen werden, und zwar ständig: auf Märkten. Der wichtigste Markt ist der Arbeits­markt.

Glauben Sie den Gerech­tig­keits­ver­sprechen von Politikern? 

Auf Märkten geht es vielleicht fair zu, nicht unbedingt gerecht. Das ruft immer wieder Politiker auf den Plan, die mit Staats­macht Gerech­tigkeit herstellen wollen. Statt Rahmen­be­stim­mungen zu schaffen, die jedem bei genügend eigener Anstrengung eine Chance geben, wird meist überre­gu­liert, das Markt­ge­schehen blockiert oder gar der Markt abgeschafft. Das mag eine Weile dieje­nigen begüns­tigen, die sich vorher benach­teiligt sahen, aber auf Dauer setzen sich die Markt­pro­zesse immer durch. Es entstehen dann eben illegale Märkte, Schwarz­märkte. Das Geschehen, vor allem Innova­tionen und Inves­ti­tionen, verlagern sich ins Ausland. Es kommt zu Engpässen und zu Mangel­er­schei­nungen, beispiels­weise fehlen irgendwann produktive Arbeits­plätze. Der real prakti­zierte Sozia­lismus hat das alles demons­triert.

Sich auf Märkten zu behaupten und nicht als Mündel von Politikern zu leben, die ständig Gerech­tigkeit versprechen und Unfreiheit schaffen – das kennzeichnet den selbst­be­wussten und aus eigener Kraft lebens­fä­higen Menschen. Eine markt­fähige Lebens­ein­stellung haben heißt: das Geschehen um sich herum als Markt­ge­schehen zu verstehen. Das Sie beschäf­ti­gende Unter­nehmen müssen Sie als Ihren Markt begreifen, auf dem Sie mit Leistung überzeugen! Ihre Begabungen und Fähig­keiten werden gebraucht. Deshalb hat man Sie einge­stellt. Alles, was Sie tun, um Ihre Begabungen und Fähig­keiten inten­siver zu nutzen und weiter zu steigern, verbessert Ihre Markt­po­sition. Aber den Markt, auf dem Sie etwas anzubieten haben, sollten Sie über Ihr Unter­nehmen hinaus­rei­chend sehen.

Jeder Unter­nehmer weiß, dass er ständig inves­tieren muss, wenn er gegenüber der Konkurrenz nicht zurück­fallen will. Das gilt für Sie als Ihr eigener Unter­nehmer genauso. Sie müssen sich fachlich und persönlich permanent höher quali­fi­zieren, wenn Sie nicht wollen, dass Ihnen auf dem Arbeits­markt andere vorge­zogen werden. Man muss Zeit und Geld in sich inves­tieren – wie eben ein Unter­nehmer.

Wollen Sie Ihr eigener Unter­nehmer sein?

Ihr Ausgangs­ka­pital ist Ihre Ausbildung. Selbst wenn Sie ein Studium absol­viert haben, können Sie nicht die Beine hoch legen und sagen, jetzt bin ich bis zu meiner Pensio­nierung ein stets begehrter Mitar­beiter. Sie müssen den Arbeits­markt für Akade­miker Ihres Ausbil­dungs­zweigs im Auge behalten. Zwar liegt die Arbeits­lo­sen­quote für Hochschul­ab­sol­venten unter der allge­meinen Arbeits­lo­sen­quote, aber wenn Sie nicht aufpassen und zumindest sich fit halten, können Sie eines Tages doch zu den Arbeits­losen gehören.

Märkte, die wie im Sport von den Regeln der Fairness und von Leistungs­wett­bewerb bei gleichen Start­be­din­gungen für alle bestimmt werden, geben jedem Teilnehmer eine gerechte Chance. Schwarze Schafe gibt es immer und überall. Ganz abdrängen kann man sie nicht. Wer das über die Staats­macht zu bewerk­stel­ligen versucht, führt nicht in eine paradie­sische Gesell­schaft, sondern in die Diktatur und den Bankrott, wie das Beispiel des Kommu­nismus zuletzt gezeigt hat. Wofür stehen Sie?

Der Staat soll die Preise festsetzen. Niemand
kann dann übervor­teilt werden.

Wenn die Gewerk­schaften Löhne und Gehälter
erzwingen, die über der Produk­ti­vität liegen, ist das in Ordnung.

Der Staat soll für einfache und klare Rahmen­be­din­gungen
und deren Einhaltung sorgen.

Jeder ist seines Glückes Schmied. Den Fürsor­ge­staat lehne ich ab.

Ich will mein eigener Unter­nehmer sein.

Paul Halbe: Jeder sein eigener Unternehmer

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