Manipulatives Verhalten

Unter seinen Mitmen­schen trifft man bisweilen Kollegen, Famili­en­mit­glieder, Nachbarn und Freunde, die es großartig verstehen, die Personen ihres Umfelds auf sich hin auszu­richten. Sie können die Liebens­wür­digkeit in Person sein. Aber nur gegenüber denen, die ihnen zugeneigt oder gar zu Diensten sind. Wer sich verweigert oder sich kritisch äußert, wird durch Missachtung bestraft. Freund­liche Blicke, nette Worte und kleine Gunster­weise für die einen, eisiges Schweigen, Ausgrenzung und vorwurfs­volle Miene für die anderen. Wehe, wenn solche Leute ihr Manipu­la­ti­ons­ver­halten auch noch mit Macht­po­si­tionen verbinden können.

Manipu­lativ begabte Menschen machen ihrem Umfeld unablässig deutlich, wie sie es gerne hätten, wann sie sich verletzt fühlen und wofür sie eine Entschul­digung erwarten. Sie verstehen es hervor­ragend, anderen ein schlechtes Gewissen zu machen. Die Schuld liegt nie bei ihnen. Es wird von ihnen kein Zweifel gelassen, wie sie es sehen und was ihr Wohlge­fallen hat. In Mimik und Gestik, mit Wortwahl und Stimme drücken sie Missfallen und Wohlwollen aus. Sie beherr­schen alle Register der Infor­ma­ti­ons­steuerung: Durch Weglassen, Uminter­pre­tation, Übertreiben und Unter­treiben stets ihre Sicht­weise als unanfechtbar verbreiten. Und das zum jeweils richtigen Zeitpunkt.

In Partner­schaften sind solche Menschen besonders gefährlich. Wer sich auf sie einlässt, sie in ihrer Liebens­wür­digkeit schätzen lernt, ihre Aufmerk­sam­keiten genießt, womöglich ihren Reizen als Mann oder Frau verfällt, wird ausge­saugt, bis er nichts mehr zu bieten hat. Es wird Ausschau gehalten nach einer neuen mensch­lichen Berei­cherung. Manchen dieser Menschen ist gar nicht bewusst, was sie mit anderen machen. Sie halten es für legitim, alle ihre Fähig­keiten dafür einzu­setzen, dass es ihnen gefühls­mäßig gut geht, und sie meinen, ihrer­seits ja auch viel zu geben. Als gute Menschen wollen sie anerkannt sein. Ihnen etwas anderes zurück­zu­spiegeln, weisen sie als belei­digend zurück.

Wie erkennt man solche Menschen? Wie geht man mit ihnen um, ohne zu verbrennen? Man muss sich von ihnen trennen, als Chef wie als Partner. Da man sie indes meist zu spät erkennt – wer ist schon so misstrauisch, nicht auf die liebe­vollen Angebote einzu­gehen –, ist das mit Schmerzen verbunden. Glück hat, wer in einer sozialen Einbettung lebt, die ihn auffängt. In unserer Single-Gesell­schaft ist das bei Partner­schaften jedoch häufig nicht der Fall. Dann wird die Rettung in einer neuen Beziehung gesucht – bis in der Folge weiterer Partner schließlich Bezie­hungs­un­fä­higkeit eintritt.

In Unter­nehmen sind solche Manipu­lanten gefährlich, weil sie Anhänger um sich scharen. Sie spinnen Intrigen, betreiben Mobbing, vergiften das Betriebs­klima. Die Chefs werden madig gemacht. Da haben die Vorge­setzten nur eine Chance, Unvor­ein­ge­nom­menheit und allge­meines Wohlwollen herzu­stellen: sich von ihnen trennen. Das kann aller­dings teuer werden.

Der einzige Anhalts­punkt, sich mit Skepsis gleich zu Beginn zu wappnen, ist: Die Vorge­schichte der so charmanten Person zu recher­chieren – und den ach so plausiblen Erklä­rungen zur Vergan­genheit, in denen kaum eigene Schuld vorkommt, nicht unbedingt Glauben zu schenken, sondern sie gegen­zu­checken.

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