Quellen des Wohlstands - unbekannt?

Noch heute ist die Soziale Marktwirtschaft ursächlich für den Wohlstand in Deutschland. Doch das erkennt die Bevölkerung nicht mehr. Sie lehnt mittlerweile die Soziale Markt-wirtschaft mehrheitlich ab. Wegen ihrer angeblichen Ungerechtigkeit. Allgemeine Wohlfahrt wird als Aufgabe des Staates gesehen. Übersehen wird trotz gegenteiliger Erfahrungen – im Osten Deutschlands und anderen Ländern –,

  • dass eine möglichst große Zahl von erfolgreichen Unternehmern notwendig ist, um Wohlstand zu erwirtschaften,
  • dass der Staat als Unternehmer nichts taugt und
  • dass international agierende Konzerne Standorte schnell aufgeben, wenn sie ihre Bedingungen nicht mehr erfüllt sehen.

Der Staat kann nur die Voraussetzungen für global wettbewerbsfähige Unternehmen schaffen – mehr nicht! Viele Politiker indes reklamieren Erfolge der Wirtschaft gerne als ihren Erfolg. Kein Wunder, dass man dann alles bei ihnen festmacht. Ein Volk, das wie die Deutschen von seiner Wettbewerbsfähigkeit lebt, sollte wissen, was die Voraussetzungen sind, damit Unternehmen in genügender Zahl erfolgreich sind.

Widerspiegeln müsste sich das Wissen um die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften, das gerade in einer globalisierten Welt unabdingbar ist, in den Lehrplänen des Bildungssystems und in den Lernmaterialien der Schulen. Tut es aber nicht! Es bedurfte der Länder vergleichenden Pisa-Studien, ehe man in Deutschland merkte, dass Lesen, Schreiben und Rechnen etwas mit Wettbewerbsfähigkeit zu tun hat – man könnte auch sagen: mit Lebenstüchtigkeit.

7,5 Millionen der erwerbsfähigen Deutschen können nicht ausreichend lesen und schreiben, etwa 300.000 sind Analphabeten. Die öffentliche Aufmerksamkeit wird indes nur darauf gerichtet, wie man die Folgen für die Betroffenen – was ihre Teilhabe am Wohlstand angeht – verbessern kann, weniger auf die Verbesserung ihrer Lebenstüchtigkeit. Bildungs-gutscheine? Bares, Mindestlöhne, höhere Hartz4-Sätze – darauf konzentrieren sich die Forderungen.

Zurück zu den Schulbüchern: Eine Untersuchung der Bundesarbeitsgemeinschaft „SchuleWirtschaft“, für die 155 Schulbücher ausgewertet wurden, kommt zu dem Ergebnis, dass die Darstellung des Wirtschaftssystems in Deutschland in vielerlei Hinsicht bruch-stückhaft, unausgewogen und fehlerhaft ist. Beispiel: Über 80 Prozent der Schulbücher thematisieren den sogenannten Strukturwandel. Die Mehrzahl handelt ihn ab als Vorgang von technischen Neuerungen, die von den Arbeitnehmern zu bewältigen sind oder sie den Job kosten. Wie Unternehmer den technischen Fortschritt zur Verbesserung ihrer Wettbe-werbsfähigkeit nutzen und damit Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen, bleibt unerwähnt.

Oder das Thema „Soziale Gerechtigkeit“. Es wird in fast 80 Prozent der untersuchten Schul-bücher behandelt. Der Tenor ist unternehmer- und gesellschaftskritisch. Zitat: „Zur Randbe-legschaft zählen jedoch nicht nur Menschen, die weniger anspruchsvolle ‚Lückenbüßer-funktionen‘ und Aushilfstätigkeiten bei schlechter Bezahlung und ohne soziale Absicherung übernehmen, sondern zum Beispiel auch all jene hochqualifizierten, selbständigen Dienst-leister, deren Kompetenzen das Unternehmen je nach Bedarf für eine gewisse Zeit nutzt und einkauft.“ (aus: Gesellschaftsstrukturen und sozialer Wandel, Sekundarstufe II, Gymnasium, 1. Auflage 2003, Diesterweg Verlag)

Kritisches lässt sich auch insinuieren, indem man Zutreffendes verkürzt behauptet, in einen bestimmten Zusammenhang stellt und dazu Reizworte benutzt, von denen man weiß, dass sie in der Öffentlichkeit mit negativen Vorurteilen besetzt sind. Schulbuchdemagogie: „Die Unternehmen wollen möglichst viel Gewinn erzielen. (…) Unternehmen befinden sich in Privateigentum.“ (aus: Demokratie heute, Jahrgangsstufe 7-10, Hauptschule, Realschule, Regionale Schule, Duale Oberschule, 1. Auflage 2009, Schroedel Verlag) Nicht oder kaum behandelt werden Themen wie die Funktionsweise des Arbeitsmarktes, das Arbeitsrecht, Unternehmensformen und, für Jugendliche besonders wichtig, „Was ist Geld?“.

Ein Volk, das von den Quellen seines Wohlstands nichts oder zu wenig, Irreführendes oder Falsches weiß, wird sein Wohlergehen auf die Dauer nicht erhalten. 

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