Kreativspiel

 

Cláudia Silva, Solingen:

Heute wird alles überwacht, erfasst, veröffentlicht, verteilt. Wir können von zuhause aus Leute, Kulturen, Welten kennenlernen. Das ist ein toller Fortschritt. Wissen wird verbreitet. Das erweitert unseren Horizont. Oft werden wir jedoch damit überfordert. Wir müssen uns deshalb grundsätzlich Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was wir aufnehmen. Denn wir sollten nicht nur als Zuschauer beim Fortschritt dabei sein, sondern das Neue, das uns zugänglich gemacht wird, auch verarbeiten.

Lina Prohaska, Wien:

Fernsehkameras gibt es heute in vielen Größen und Anwendungsbereichen. In Miniausführung zwecks Diagnose, um Bilder beispielsweise aus unserem Gedärm zu erhalten, oder als weltraumtaugliches Gerät, um von Himmelskörpern Aufnahmen zu bekommen, die Lichtjahre von unserer Erde entfernt sind, oder in handlicher Größe als Big Brother zur Überwachung. Mit einem Heiligen rechts und links kenne ich sie nur vom Petersplatz in Rom.

Die Bilder, die uns auf Bildschirmen – von mini bis ganz groß – angeboten werden, prägen mehr und mehr unsere Wahrnehmung von der Welt. Wir waren zwar nicht da, aber wir haben es gesehen. Wir haben es nicht erlebt, aber wir glauben, es zu wissen. Und wir vergessen: Jedes Bild ist Manipulation. Dazu dient die Wahl der Perspektive, des Bildausschnitts, der Lichtgebung, der Bildfolge. Und der beigefügte Kommentar sagt uns, wie die Bilder zu verstehen sind.

Erich Halgenot, Düsseldorf:

Ob Trump Merkel die Hand schüttelt oder das vermasselt, ob Erdogan Deutschland als Naziland beschimpft oder ob Russland sich die Krim nimmt oder nicht, all das ist für mein persönliches Leben so interessant wie der oft zitierte Reissack, der in China umfällt. Ein kalbender Gletscher im Polarkreis, ein Vulkanausbruch auf Island, ein Haibiss am Strand von Hawaii: alles Infotainment!

Um Fotos, Nachrichten und Emails an Verwandte, Freunde und Geschäftspartner zu verschicken, dazu brauche ich eine Kamera, mein Smartphone. Mein eigenes Gerät. Ich brauche nicht das, was andere mir als angeblich interessant aufdrängen. Denen geht es allein um Einschaltquoten. Also das mutmaßliche Interesse, das Redakteure den Zuschauern unterstellen.

Werkstücke:

Bitte wählen Sie

 
© 2018 | Druckversion | Seite weiterempfehlen | Paul Halbe | Impressum | Kontakt
 

Albert Schweitzer: Die ernste Arbeit
an dir selber, das ist's, was dich
für Gottes Geist empfänglich macht.