Kreativspiel

 

Eva Müller, Berlin:

Die Tür eines leer stehenden Hauses kann viele Geschichten erzählen: traurige und fröhliche – wie ein alter Baum, unter dem eine Bank steht. Mit solchen Schmierereien wird der Tür ihre Würde genommen, sie wird zum Bauschutt degradiert. Das macht mich traurig.

Hubert Gerlach, Arnoldsweiler:

In meiner Kindheit hörte ich den Spruch "Narren Hände beschmieren Tisch und Wände" und verstand das als Gebot, so etwas nicht zu tun; schon gar nicht an Gegenständen, die einem nicht gehören. Freilich wäre es abwertend, "Graffiti" generell als bloße Schmiererei zu bezeichnen. Harald Nägeli, der "Sprayer von Zürich" besprühte in den 1970er Jahren öffentliche Gebäude mit Graffiti und ging dafür ins Gefängnis. Heute ist er ein anerkannter Künstler. Nach wie vor ist es strafbar, fremde Gegenstände mit Graffiti zu versehen. Die Häufung von Graffiti in der Öffentlichkeit ist eine Zeiterscheinung. Die Inhalte dieser zumeist unerwünschten "Verschönerungen" zeigen, welches Tohuwabohu Bilderflut und Informationswust der modernen Medien in manchen Köpfen anrichten.

Birgit Stauder, Laubenheim:

Ich mag alte Holztüren. Graffiti passen nicht dazu. Die Tür ist unbrauchbar geworden. Sie war vorher ein Kunstwerk. Viele Leute sind durch sie ein- und ausgegangen, sie war für sie Schwelle zwischen drinnen und draußen. Ich finde das Graffiti nicht nur deplatziert, es ist nicht einmal schön. Gut finde ich, dass für das Aufsprühen von Graffitis Wände beispielsweise von den Kommunen frei gegeben werden. Wenn es Menschen begeistert, sich als Graffiti-Künstler auszuprobieren, haben sie so ihre Möglichkeit und richten keinen Schaden an. Meine Aufmerksamkeit gilt indes anderen Kunstformen.

Franz de Jong, Mühlheim:

Es ist oder war sicher eine Form des Jugendprotestes: Die Vergangenheit zu übersprühen! Unerlaubt, frech, verschmutzend. Das kontrastiert mit dem Bestreben, alles, was Vergangenheit hat, unter Schutz zu stellen. Was wird nicht alles unter Schutz gestellt! So, als sei alles in Gefahr. Kulturerbe! Jugendliche Gemüter erfasst Zerstörungswahn. Denn es bleibt nicht nur beim Übersprühen, wenn der Lebenssinn aus der Vergangenheit nicht mehr als Gegenwart lebendig ist, sondern nur als Ablage des Gestern gepflegt wird.

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