Kreativspiel

 

Brigitte Litzenberger, Harsefeld:

Das Bild ist sehr treffend für viele Situationen, in denen man wie vor einem Geldautomaten steht und nachschlägt, was man alles braucht. Beispielsweise: Die Tochter braucht neue Schuhe, dem Sohn passen die Turnschuhe nicht mehr. Mit dem Bus komme ich nicht dorthin, wohin ich muss, beziehungsweise verliere ich zu viel Zeit; also tanken und mit dem Auto fahren. Die Krankenversicherung wird bald wieder abgebucht; ebenso die Miete. Es summiert sich. Und als Frau verdiene ich vermutlich weniger als dieser junge Mann auf dem Foto, auch wenn ich die gleiche Ausbildung habe. Geld macht nicht glücklich, heißt es. Aber ich hätte ein ruhigeres Leben, hätte ich mehr davon und wäre ich nicht in diesem Hamsterrad gefangen, um genug zu verdienen.

Hubert Gerlach, Arnoldsweiler:

Sonderbare Situation: Am Geldautomaten sich Unterlagen ansehen. Man könnte denken, er hat seine Geheimnummer vergessen und sucht danach. Aber wer hat seine Nummer schon in den Akten versteckt, die er in einem großen Rucksack mit sich schleppt. Ich vermute, der Mann mit dem hinter einer schwarzen Scheibe versteckten Kopf zählt nach, wie viel Geld er denn abheben muss, um im nächsten Kaufhaus, wo man seine Kreditkarte nicht akzeptiert, sich seine Wünsche erfüllen zu können.

Lina Prohaska, Prag:

Für manche Menschen ist der Umgang mit Geld wie ein großes schwarzes Loch. Wo eigentlich der Kopf sein sollte. Es ist nie genug, das Loch verschlingt alles. Die falsche Annahme ist, der Geldfluss kommt unaufhörlich aus dem Automaten wie Strom aus der Steckdose und Wasser aus dem Hahn. Bedrohlich wird es, wenn auf einmal nichts mehr aus dem Automaten heraus kommt, er sozusagen trocken gefallen ist wie ein Brunnen. Dann ist die Panik groß. 

Wir leben in einer Welt, in der vielen Menschen die Erfahrung abhanden gekommen ist oder erst gar nicht vermittelt wurde, dass Geld nur durch die Beteiligung an unternehmerischer Leistung verfügbar wird. Und man nur dann dauerhaft genug davon hat, wenn man nicht mehr ausgibt, als man verdient hat. Die Politik fürsorglicher Staaten, die den weitaus größten Teil ihrer Einnahmen sozialpolitisch umverteilen, hat diese wichtige Erfahrung in den Hintergrund gedrängt.

Franz de Jong, Mühlheim:

Geld regiert die Welt. Das mögen noch so viele edel gesonnene Menschen anzweifeln, verurteilen oder bekämpfen – alles Überleben hängt zunächst in der über den Tausch von Naturalien hinausgekommenen Menschheit von Geld ab. Brecht hat es drastisch formuliert: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Und die Welt lässt sich nicht wie ein Kloster organisieren. Aber Klöster zeigen, wie sich in einer überschaubaren Gemeinschaft Religion und Überleben miteinander verbinden lassen: Ora et labora!

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Albert Schweitzer: Die ernste Arbeit
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