Statt Vorurteile zu pflegen, sich eine eigene Meinung bilden!

Eigenständig in seiner Zeit leben heißt, sich aufgrund von Informationen und Interpretationen eine eigene Meinung bilden. Dazu muss man der Versuchung widerstehen, unbesehen den Standpunkt anderer zu übernehmen. Die Informationsgesellschaft gibt die Chance, sowohl im Überblick wie auch im Detail sich ein eigenes Bild zu machen.

Zu einem selbstbestimmten Leben gehört, sich im Geschehen seiner Zeit orientieren zu können. Was läuft ab in der Gesellschaft, in der ich lebe? Um das zu erfahren, braucht man sein selbst entwickeltes Informationssystem. Es reicht nicht aus, seine Informationen und seine Meinung aus dem Milieu zu übernehmen, in dem man sich bewegt. Ohne einen gewissen Zeitaufwand und eine einigermaßen systematische Erfassung dessen, was sich aktuell abspielt, findet man nicht zu einer halbwegs realitätsnahen Wahrnehmung seiner Lebensumstände.

Das Informationsangebot ist riesig. Jeder neigt dazu, sich das herauszusuchen, was ihn interessiert, was ihn bestätigt, was in seine Vorurteile passt. Die Flut der Informationen sollte man indes nicht einseitig nutzen. Man muss herausfiltern, was von Gewicht und Bedeutung, was zeitbestimmend ist, was Einfluss auf die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen hat, was den Umgang der Menschen miteinander betrifft, die Bildung, den Lebensstandard, die Lebensziele etc.

Wer nicht abhängig von Vormündern sein will, die ihm sagen, was er zu wissen und welche Meinung er zu vertreten hat, der sollte die Chance der Medienvielfalt nutzen. Hilfreich ist, sich einen Medienpool einzurichten, in dem sich unsere Lebensumstände widerspiegeln. Bei der Informationsaufnahme, ob über das Internet, Fernsehen, das Radio, Zeitungen, Magazine, Informationsdienste, Vorträge, Konferenzen, Gesprächskreise - was auch immer - muss man sehr genau darauf achten, welche Tatsachen ausgeklammert werden. Die Wahrheit wird vor allem durch Weglassen manipuliert!

Beschäftigen sollte man sich auch mit dem Zustandekommen von Informationen:

  • Wie viele Stationen durchläuft eine Nachricht, bis sie mich erreicht?
  • Wer kann wie eine Nachricht beeinflussen?
  • Wie erkennt man, ob in eine Nachricht Meinung eingeflossen ist?
  • Wonach beurteile ich die Glaubwürdigkeit eines Journalisten?
  • Welche Absichten sind erkennbar?

Wenn es heißt, unsere Gesellschaft sei eine Informationsgesellschaft, dann sollten wir ihr gewachsen sein. Das verlangt kritische Distanz. Nicht alles, was angeblich wissenschaftlich bewiesen ist, muss wahr sein. Auch nicht alles, was der Staat und seine Organe sowie Politiker mit großer Rhetorik bis hin zur Demagogie uns mitteilen. Sowohl Staatsgläubigkeit als auch Wissenschaftsgläubigkeit sind gefährlich. 

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