Satzzeichen und Großschreibung

Schreiben als Kulturfertigkeit steht nicht hoch im Kurs. Nach der mehr oder weniger fehlgeschlagenen Rechtschreibreform schreibt mancher sein Deutsch nur noch drauf los. Satzzeichen? War da was? Großschreibung? Wozu eigentlich? Andere Sprachen kommen doch auch ohne aus!

Was bei schriftlichen Äußerungen den Adressaten bisweilen zugemutet wird, würde man sich beim Decken eines Tisches für Gäste nicht erlauben. Messer und Gabel würde man da nicht vertauschen. Löffel, Gläser, Teller - alles hätte seinen korrekten Platz. Auch wäre das Ganze schön arrangiert: feine Tischdecke, passende und hübsch gefaltete Servietten, Kerzenleuchter, Blumenschmuck und so weiter. Noch angenehme Musik. Vielleicht etwas aromatisierte Luft. Von Tischkultur verstehen wir etwas!

Wer nur einen Bruchteil dieser Sorgfalt dem schönen und korrekten Gebrauch seiner Muttersprache widmet, dem wird es schon bald Spaß machen, seinen Freunden einen Brief zu schreiben und sein Tagebuch zu führen. Die ständige Verbesserung der Schreibfähigkeit wäre wie die jeweils noch schönere Tischgestaltung. Auch für die Schreibfähigkeit gibt es hilfreiche Ratgeber. Ich empfehle: Das Rechtschreibwörterbuch - sinnvoll schreiben, trennen, Zeichen setzen. Autor: Theodor Ickler. Erschienen im Leibniz Verlag, D-56329 St.Goar. ISBN-Nummer (für den Buchhändler, über den man bestellt, hilfreich): 3-93115-14-5. Preis: 18 Euro. Klar und präzise stellt Ickler dar, was Deutsch zu einer schönen Sprache macht - wie man mit Deutsch einen "schönen Tisch decken" kann, an den sich die Gäste, die Leser gerne setzen.

Warum Texte durch Satzzeichen sowie Groß- und Kleinschreibung erst lesbar werden, soll mit der folgenden Übung demonstriert werden: Alle Satzzeichen einer Passage aus dem Buch "Abschiedsgeschenk" fehlen, kein Wort ist groß geschrieben. Die Aufgabe ist: die Satzzeichen einfügen und groß schreiben, was korrekterweise groß zu schreiben ist.

Ohne Punkt und Komma sowie alles klein geschrieben: "hirschberg ließ sich das einverständnis geben das gespräch mitzuschneiden und baute seine technik auf noch bevor er mit seiner einstiegsfrage loslegte erklärte ihm bromberg die situation wie er sicher wisse habe er mehrere unternehmen gekauft die in liquidationsverfahren steckten und sie unter mehr oder weniger großen schwierigkeiten saniert in keinem dieser unternehmen habe er ein büro die kosten spare er sich da er ja doch nur tageweise in den einzelnen betrieben sei deshalb fände dieses gespräch im konferenzraum statt wo er auch alle übrigen gespräche führe ob einzel- oder gruppengespräche alle notwendigen hilfsmittel stünden zur verfügung und er könne sich beliebig ausbreiten seine unterlagen habe er allesamt in diesem pilotenkoffer er deutete auf den boden neben sich zuarbeiten würde ihm seine sekretärin die ihr büro hier im hause habe in den anderen unternehmen werde er von der sekretärin des jeweiligen geschäftsführers mitbetreut das habe sich bestens eingespielt".

(Aus: Franz de Jong, Abschiedsgeschenk)

 
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Albert Schweitzer: Die ernste Arbeit
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