Paul Halbe

Über mich

Nein, nie wollte ich rückwärts gewandt, sondern immer nur nach vorne leben. Das ist mein Vorsatz, obwohl ich als Übersiebzigjähriger zu der Generation gehöre, die den Krieg als Kind, die Nachkriegszeit als Jugendlicher und die D-Mark-Jahre als Bundesbürger erlebt hat. Ich könnte Rückschau halten. Es gäbe viel zu erzählen.

Es gibt Anlass zur Selbstauskunft, die mich jetzt zumindest ein wenig über die vergangenen Jahrzehnte berichten lässt. Denn Internet-Unternehmen, die das eine oder andere über mich aus der Datenflut herausgefiltert haben, geben bruchstückhaft, lückenhaft, nicht oder nicht mehr zutreffend , falsch oder irreführend zugeordnet und zusammenhanglos Auskunft über "Paul Halbe". Da es außerdem - so wie es aussieht - noch mindestens drei weitere Träger meines Vor- und Nachnamens in Deutschland gibt, ist die Verknüpfung der Daten mit den Personen nicht immer eindeutig.

Also ist es wohl besser, ich äußere mich selber, bevor aus den Bruchstücken Wahrscheinlichkeiten abgeleitet werden, die teilweise oder ganz und gar falsch sind. Denn haben sich solche Mutmaßungen erst einmal verbreitet, lassen sie sich kaum noch richtig stellen. Damit mein „Über mich" aber nicht trocken wie ein beigefügter Lebenslauf wird, ist die Zeit meines Heranwachsens etwas ausführlicher beschrieben.

Kinderjahre und Jugendzeit

Ich wurde in die Nazizeit hineingeboren (1936). Wir wohnten mitten in der Stadt Aachen. Um dem Propaganda-Getöse der Nationalsozialisten zu entgehen, mieteten meine Eltern in Hauset, einem kleinen Dorf im deutschsprachigen Belgien, ein Wochenendhaus. Dorthin siedelten wir ganz über, als die Bombenangriffe immer heftiger wurden. Nach den Kindheitsjahren in der Stadt, in denen ich eingeschult wurde und zur ersten Hl. Kommunion ging, erschloss ich mir rund um unsere Blockhütte ein Revier in herrlicher Natur. Diese Zeit gehört zu den schönsten meines Lebens. Gegen Ende des Krieges lagen wir tagelang zwischen den Fronten. Dann kamen die Amerikaner. Nachdem Aachen erobert war, schoben uns die Belgier ab. Die Grenze wurde dicht gemacht.

Wir lebten in den Trümmern einer evakuierten und zerbombten Stadt. Was meine Eltern damals geleistet haben, kann ich erst heute einigermaßen ermessen. Und ich habe Menschen erfahren, die in Hunger und Kälte einander selbstlos helfen. In unserem Stadtviertel nahm eine Schule den Unterricht wieder auf. Mitbringen mussten wir Brennmaterial für den Ofen und irgendwelches Schreibmaterial. Die Amerikaner sorgten für die Schulspeisung. Als es darum ging, wer aufs Gymnasium sollte, war ich dabei. Mit ein paar anderen Jungs bekam ich Sonderunterricht. Denn es war eine Aufnahmeprüfung zu bestehen. Wenn mich heute jüngere Menschen nach dieser Zeit fragen, finden sie das, was ich erzähle zwar spannend, aber nachvollziehen können sie es nicht.

Auf dem Gymnasium habe ich mich in den ersten Jahren wohl gefühlt. Aber ich entwickelte mehr und mehr Aktivitäten außerhalb der Schule. In meinem Lernstoff entstanden immer größere Lücken. Die Schule wurde zur Qual. Zur Versetzung hat es jeweils und schließlich auch zum Abitur gereicht. Bis zum Stimmbruch habe ich in der Schola des Aachener Domchors gesungen. Dann ging ich in einen Sportverein: Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Handball. Während der Oberstufe begann ich mit dem Tennisspielen. Um Zeit zu gewinnen, wollte ich ein Motorrad haben. Da meine Eltern mir das nicht finanzieren wollten, habe ich gejobbt. Schließlich ging ich auch noch in eine Volkstanzgruppe, mit der ich 1954 eine Reise nach Dalarna (Schweden) machte.

Diesen und anderen Aktivitäten, beispielsweise Züchten von Skalaren, lag eine Erfahrung zugrunde, die ich beim Schachspielen gemacht hatte: Wenn man mit Umsicht und Voraussicht seine Züge sowohl ideenreich wie folgerichtig macht, kommt man ans Ziel. Bei Schellbach, dessen Intensivkurs ich als 18jähriger besuchte, fand ich dafür die griffige Formel: Richtig machen = Erfolg; falsch machen = Mißerfolg. Dass es im Leben nicht so einfach ist, habe ich später noch ausreichend erfahren.

Studienzeit und die ersten Berufsjahre

Nach dem Abitur wollte ich aus dem Beobachtungshorizont meiner Eltern heraus. Im Unterschied zu meiner älteren Schwester hatten sie mir zwar viel Freiheit gegeben - mit 12 durfte ich zum ersten Mal allein reisen -, aber jetzt wollte ich raus. Und ich wollte in eine richtig große Stadt. Studieren! Aber was? Ich wusste, dass immer neue Projekte, Aufgaben, Unternehmen mir gefielen und deshalb von mir gesucht wurden. Also kam nur ein abwechslungsreicher Beruf infrage. Doch welche Berufe kannte ich? So gut wie keine. Dann kam ich drauf: Filme machen. In München gab es das Deutsche Institut für Film und Fernsehen (DIFF). Mehrere hundert Bewerber pro Jahrgang, aber nur zwanzig wurden aufgenommen. Vorsorglich schrieb ich mich auch an der Uni ein, ging in viele Vorlesungen, hörte mir an, was mir interessant erschien, tauchte ins Studentenmilieu, hatte im zweiten Semester bereits ein Zimmer in unmittelbarer Nähe der Uni. Pater Mariaux sorgte dafür, dass ich auch etwas Ahnung von Philosophie und Theologie bekam.

Die Aufnahmeprüfung am DIFF klappte. Aber das Studium führte nicht dahin, wohin ich wollte. Nach zwei Jahren wechselte ich nach Köln und begann das Studium der Volkswirtschaft, Soziologie und Sozialpsychologie. Schon in München hatte ich wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen gehört und festgestellt: Davon sollte man eigentlich etwas verstehen. Meine Lehrer in Köln waren unter anderen: Alfred Müller-Armack, Günter Schmölders und René König. Dem Film blieb ich treu, indem ich Filmkritiken für den Filmdienst schrieb. Und meine Diplomarbeit bei René König behandelte ein Filmthema: Die Darstellung Halbstarker in den Spielfilmen des deutschen Filmverleihangebots. Dazu musste ich mir die herrschenden Theorien zu Massenmedien, Inhaltsanalyse und Gruppendynamik erarbeiten. Mit 26 habe ich mit einem Seufzer der Erleichterung meine letzte Prüfung gemacht. Danach Jobsuche. Endlich Geld verdienen. Voll und ganz auf die eigenen Füße kommen.

Mit einigen Studienkollegen wurde ich zu einem Gespräch am Lehrstuhl von Schmölders eingeladen. Ob wir uns vorstellen könnten, noch ein Postgradualstudium zu machen, wurden wir gefragt. Konnte ich nicht. Aus Bonn hatte ich ein Angebot: Wirtschaftspolitischer Assistent beim Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Das war wesentlich interessanter. Der Kontakt kam über das Bundespresseamt, wo man mich aufgrund meiner Filmaktivitäten kannte. Obwohl ich weder CDU-Mitglied und auch sonst nicht politisch engagiert war, bekam ich die Stelle. Allerdings war ich während des Studiums zu einem überzeugten Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft geworden.

Abschließende Bemerkung zu diesem ersten „Über mich"-Teil: Da die Kindheit und Jugend und auch noch die frühe Erwachsenenzeit für einen Menschen prägend sind, habe ich sie hier etwas ausführlicher „rausgelassen". Der zweite Teil wird knapper. Nach zwei Jahren Bonn wechselte ich in den Journalismus und wurde Redakteur der Funkkorrespondenz in Köln. Nach wiederum zwei Jahren nahm ich das Angebot an, die Pressestelle des Bistums Aachen aufzubauen. Nach Auslaufen des Zweijahresvertrags machte ich mich als Berater für Public Relations, Organisations- und Personalberatung selbständig, zunächst als freier Mitarbeiter einer Unternehmensberatung.

Die Jahre selbständiger Berufsarbeit

Zu meinen Auftraggebern in über 30 Jahren Selbständigkeit gehörten sowohl Institutionen und Organisationen als auch mittelständische Unternehmen. Unter anderen die Dalli-Werke, Randstad, Ansorg, Heinrigs, auch ein Betrieb der Akzo Chemie; der Wirtschaftsrat der CDU, die Bundeszentrale und die NRW-Landeszentrale für politische Bildung, das Innenministerium des Landes Niedersachsen, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Ein Auftrag, der mir besondere Freude gemacht hat: Ich war Gesprächspartner und Berater von Robert Wolff, dem Gründer des Unternehmens Wolfcraft. Es ging um das von ihm praktizierte Modell der Mitarbeiterbeteiligung. Mit meiner eigenen Firma habe ich in den 90er Jahren das SINNphOLL-Konzept zur Personal- und Selbstentwicklung erarbeitet und Seminare und Workshops dazu durchgeführt. In den vergangenen zehn Jahren wurde das Internetportal sinnpholl.de aufgebaut, das jedem kostenfrei zur persönlichen Entwicklung zur Verfügung steht. Mittlerweile gibt es außer den Nutzern in Europa Nutzer in aller Welt, vor allem in Nord- und Lateinamerika sowie Fernost. Studien- und Projektreisen führten nach Israel und Jordanien, nach Sri Lanka, in die frühere Tschechoslowakei, nach Brasilien und in die Vereinigten Staaten.

Einer meiner ersten Aufträge war die Einrichtung der Organisationsstruktur für die Verwaltung des Bistums Trier. Die CDU-Bundesgeschäftsstelle beauftragte mich in den 70er Jahren mit PR-Aufgaben bei den Bundestagswahlkämpfen. Dazu gehörten von mir entwickelte Argumentationskarten, ein Film über Konrad Adenauer und die Multimediaschau über die Geschichte der CDU auf dem Wahlparteitag 1976 in Hannover. Von mir wurden einige Publikationen entwickelt und dann als Redakteur betreut: 

  • Die Mitgliederzeitschrift des Wirtschaftsrats der CDU: trend - Zeitschrift für Soziale Marktwirtschaft, erste Ausgabe im Dezember 1979 
  • Ein modernes Heimatbuch für Niedersachsen: Das Niedersachsenbuch, jeweils zum Tag der Niedersachsen, erstes Erscheinen zum Tag der Niedersachsen 1982 in Aurich 
  • Neues Konzept für den Informationsdienst des Zeitarbeitunternehmens Randstad: Unter dem Titel „Randstad-Korrespondenz" im April 1984 erstmals erschienen
  • Informationsdienst des Zentralkomitees der deutschen Katholiken: Salzkörner - Materialien für die Diskussion in Kirche und Gesellschaft, erste Ausgabe Ende August 1995 

Im Bereich Film, Fernsehen, Medien habe ich in den 70er und ersten 80er Jahren eine ganze Reihe von Aufträgen als Produzent und/oder Autor und/oder Regisseur bekommen. Um dies fortzuführen, hätte ich mich aus den anderen Tätigkeitsbereichen zurückziehen müssen. Eine kleine Auswahl der Produktionen/Sendungen: „Der Dom der Könige" (Aachener Dom), für den SFB; „Insel der Parias" (Entwicklungshilfeprojekt im Norden Sri Lankas), für das ZDF; über den Priester und Maler Herbert Falken, für den SFB; über die Behindertentagesstätte „Gustav-Heinemann-Haus" in Bonn, für Cinecentrum; über den „Job" eines Bundeskanzlers, für Cinecentrum.

Und ich habe noch ein paar Bücher geschrieben: 

  • 1986, Haufe, Die neuen Unternehmen - Wie aus Mitarbeitern Mitunternehmer werden;
    1991, 2. Auflage
  • 1992, Haufe, Selbstverantwortung und Mitverantwortung im Unternehmen - Neue Horizonte unternehmerischer Arbeit 
  • 1993, Gabler, Fusion als unternehmerische Chance - Das Fallbeispiel Bräutigam - OBI, zusammen mit Utho Creusen 
  • 1996, Gabler, Ihr Kopf - Ihr Kapital - Wie Sie die Regie für Ihr Leben übernehmen 

Alle Auflagen sind vergriffen. Aber antiquarisch wird das eine oder andere angeboten.

 
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