Warum das Leben ein Pilgerweg ist

Sieben Gründe

1.
Unser Freiheitsdrang erwacht, wenn äußere Zwänge unser Selbstbewusstsein und unseren Handlungsspielraum einschränken. Unser Freiheitsdrang erlischt, wenn unsere Grundfreiheiten als Selbstverständlichkeiten empfunden werden.

Die wichtigsten Grundfreiheiten sind: Freiheit von Not, Bewegungsfreiheit, Berufsfreiheit, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit. Die Grundfreiheiten eröffnen uns die Chance eines selbstbestimmten Lebens. Diese Chance gilt es zu nutzen!

2.
Um die Chance zu einem selbstbestimmten Leben zu nutzen, muss man den Freiheitskampf mit sich selbst aufnehmen. Doch viele Menschen wollen lieber die ganze Welt verändern als einsehen, dass sie selbst unvollkommen und deshalb verbesserungsbedürftig sind.

Ein aufgrund persönlicher Freiheit selbstbestimmtes Leben setzt den Realismus der Bescheidenheit voraus. Wir müssen uns von dem Hochmut verabschieden, vollkommen zu sein.

3.
Wer akzeptiert, dass er Fehler macht und Irrtümer begeht, öffnet das Tor zu seiner unaufhaltsamen Persönlichkeitsentwicklung. Sich selbst verbessern, heißt, seine Fehler und Irrtümer erkennen und daraus lernen; es heißt nicht, seine Fehler und Irrtümer achselzuckend hinzunehmen.

Oder möchten Sie sich von einem Arzt operieren oder von einem Piloten in den Urlaub fliegen lassen, die nicht den Ehrgeiz haben, fehlerfrei zu arbeiten?

4.
Wir müssen mit der Tatsache leben lernen, dass wir keine Alleskönner sind. Aber unsere Freiheit gibt uns die Chance, wenigstens in Teilbereichen durch eigene Anstrengung zeitweise so gut wie fehlerfrei zu handeln. Dazu müssen wir wie die Piloten und Ärzte uns fortbilden und immer wieder trainieren.

5.
Als Person können wir uns durch ständige Selbstverbesserung zu einem souveränen Menschen entwickeln, wenn es gelingt, uns mehr und mehr von unseren inneren Zwängen zu befreien.

Ängste gehören zu unserem Leben. Aber wir können sie überwinden. Deshalb ist Mut eine Tugend. Selbstentwicklung geht nicht ohne Rückschläge, ohne Niederlagen.

Vorwärts kommt man nur durch Ausdauer und die eiserne Regel: immer wieder aufstehen.

Man darf seinen Ängsten nicht ausweichen, man muss sich ihnen stellen, indem man ihren Ursachen auf den Grund geht.

Was kann schlimmstenfalls passieren? Wie wahrscheinlich ist das? Und was kann ich tun, damit meine Angst unbegründet ist?

6.
Wer seine Ängste nicht überwinden lernt, läuft Gefahr, dass sie zu Zwängen werden, die seine Freiheit einschränken.

Gleichermaßen gerät in Gefahr, seine Freiheit zu verlieren, wer seine Freiheit missversteht als die Möglichkeit, vorwiegend nur das zu tun, wozu er Lust hat.

Wer seine Lust nicht zähmen kann, wird das tun, was er schon bald nicht mehr lassen kann. Er läuft Gefahr, süchtig zu werden. Er landet in der Unfreiheit.

7.
Zu den Lebenshöhen persönlicher Freiheit gelangt, wer weder zum Sklaven seiner Lust noch zum Flüchtling seiner Ängste wird.

Der Sieg über die inneren Feinde führt zum Selbstbewußtsein eines freien Menschen und schenkt die Freude, Herr seiner selbst zu sein.

Wen Durststrecken und Mühsal nicht abschrecken, seinen Weg zu gehen, kommt nicht in die Gefahr, vor sich selbst zu kapitulieren. Sein Leben wird zum Pilgerweg, der das Ziel immer näher heranrücken lässt.

Zwei Anmerkungen:

1. Für die Texte dieser Webseiten wird sowohl alte wie neue Rechtschreibung verwendet. Das hängt vom Zeitpunkt der Entstehung oder Überarbeitung eines Textes ab. Unsinnigkeiten der Rechtschreibreform wurden nicht übernommen.

2. Personen werden als Personen und nicht durchgängig als Geschlechtswesen mit entsprechendem Artikel behandelt.

Weiter zu: Das SINNphOLL®-Buch

 
© 2017 | Druckversion | Seite weiterempfehlen | Paul Halbe | Impressum | Kontakt
 

Albert Schweitzer: Die ernste Arbeit
an dir selber, das ist's, was dich
für Gottes Geist empfänglich macht.